Projektleiterin berichtet direkt aus Kabul
Am Freitag, den 18. April, hat sie sich auf den Weg gemacht: Bele Grau, unsere Projektleiterin für Afghanistan. Zwei Wochen wird sie mit den Kolleginnen von medica mondiale Afghanistan arbeiten. In einem kleinen Tagebuch schildert sie uns ihre Eindrücke und berichtet vom vom Stand der Dinge in den Projekten:
2. Mai 2008
Meine Zeit in Kabul geht dem Ende entgegen. Das Projektplanungstreffen mit allen Mitarbeiterinnen, das uns in den letzten Tagen beschäftigt hat, war nicht so einfach. Das zentrale Thema war der Kern der Organisation – wer sind wir, wofür arbeiten wir, was ist das eigentliche Ziel unserer Aktivitäten, jetzt und in Zukunft?

„Ein Frauenprojekt in Bosnien? Haben Sie noch alle Tassen im Schrank?“ so ein deutscher Diplomat im Dezember 1992. Monika Hauser ließ sich von dieser Verständnislosigkeit nicht abschrecken. Ihr war klar: Die vergewaltigten Frauen in Bosnien durften nicht allein bleiben. Bereits wenige Monate später, am 4. April 1993, begann auf ihre Initiative hin die Arbeit von Medica Zenica mitten im Kriegsgebiet. Viele tausend Frauen hat medica mondiale seitdem auf ihrem Weg in ein hoffnungsvolleres Leben begleiten können – in Bosnien, in Kosova, in Afghanistan, Liberia und anderswo. Im Kölner Büro arbeiten heute rund 20 Frauen für medica mondiale, rund 130 weitere unterstützen das Engagement mit ehrenamtlicher Arbeit.
Rückblick auf den Einsatz von medica mondiale seit 1993 ![]()
Kindersoldatinnen erzählen: Film und Diskussion
Mahade Pako, Anita Jackson und Chris Conteh waren Kindersoldatinnen im Bürgerkrieg in Sierra Leone und Liberia. Sie wurden grausam behandelt und fügten anderen Schmerzen zu. Der Dokumentarfilm „Woman See Lot of Things“ zeigt sie weder als hilflose Opfer ihres Schicksals noch als brutale Täterinnen. Im Mittelpunkt stehen die Ex-Soldatinnen selbst: ihr Leben, ihre Vergangenheit, ihre Entscheidungen.
Gezeigt wird der Film im Original mit englischen Untertiteln am Samstag, 26. April 2008, um 15:30 Uhr in der Filmpalette in Köln, Lübecker Straße 15. Im Anschluss daran laden die Regisseurin Meira Asher und die Fachreferentin für Geschlechtergerechtigkeit bei medica mondiale, Gabriela Mischkowski, zur Diskussion ein. Die Veranstaltung findet im Rahmen des Internationalen Frauenfilmfestivals Dortmund/Köln statt.
Weitere Informationen zum Frauenfilmfestival

Frauen im Projektzentrum der kongolesischen Partnerorganisation PAIF
© PAIF 2007
Engagement im Kongo wird ausgeweitet
Angesichts der beispiellos prekären Situation der Frauen und Mädchen im Ostkongo weitet medica mondiale ihr Engagement in den Krisenprovinzen Nord- und Süd-Kivu aus. Schätzungen zufolge wurden hunderttausende Frauen und Mädchen in den Bürgerkriegswirren des Kongo von Milizen aller Kriegsparteien vergewaltigt, verstümmelt oder versklavt. Diejenigen Frauen und Mädchen, die die traumatischen Gewaltakte überlebt haben, haben meist keinerlei Zugang zu Hilfsstrukturen, denn insbesondere im Osten des Landes liegt das Sozial- und Gesundheitswesen vollständig am Boden. In einem Kooperationsprojekt bringt medica mondiale nun für rund 800 Frauen umfassende Hilfe auf den Weg.
Afghanistan
Neue Studie zur Gesundheit von Frauen
In einer aktuellen Studie stellt medica mondiale umfassend die Auswirkung von geschlechtsspezifischer Gewalt auf die reproduktive Gesundheit von Frauen in Afghanistan dar. Dass die Situation der Afghaninnen fatal ist, belegen die Zahlen. So stirbt alle 30 Minuten eine Frau bei der Geburt ihres Kindes – das ist die zweithöchste Müttersterblichkeit der Welt; die Geburtenrate liegt bei 7,4 Kindern pro Frau. 70 bis 80 Prozent der Mädchen und Frauen werden zwangsverheiratet, knapp 60 Prozent gehen vor ihrem 16. Lebensjahr die Ehe ein. medica mondiale befragte in der Erhebung Ende des vergangenen Jahres 122 Personen verschiedener Berufsgruppen – darunter Klinikpersonal, LehrerInnen und Polizistinnen – in Kabul, Jalalabad und Mazar zu den Lebensumständen der afghanischen Frauen.
Studie in englischer Sprache
(81 Seiten, 1260 KB)
Das aktuelle memo
Nr. 1 - 2008
Aus dem Inhalt:
- Liberia: Ein vergewaltigtes Mädchen fordert Gerechtigkeit
- DR Kongo: PAIF-Leiterin im Interview zur Zusammenarbeit mit medica mondiale
- 15 Jahre medica mondiale: Start der bundesweiten Kampagne „Im Einsatz“
Ich unterstütze medica mondiale!
Anka Zink
Kabarettistin
Es ist das Wesen des Krieges, dass Menschen einander schreckliche Dinge antun. Die Vergewaltigung von Frauen ist seit der Antike bekannt und bis heute üblich. Vergewaltigung ist ein überflüssiges und durch nichts zu rechtfertigendes Kriegsverbrechen. Es ist nicht vorbei, sondern passiert jeden Tag irgendwo auf der Welt. Die Frauen brauchen Unterstützung, die Täter sollen bestraft werden. Kriegsherren sollen sich fürchten, dieses Mittel einzusetzen oder zu tolerieren. Deshalb muss das Thema an die Öffentlichkeit.
Die zweite Auflage unseres Handbuches ist erschienen!
Helfen Sie uns mit Ihrer
Spende bei der Unterstützung von Frauen in Kriegs- und Krisengebieten in aller Welt!
© medica mondiale e.V. · 05.05.2008

