
Afghanische Frauenrechtsaktivistinnen müssen sehr vorsichtig in der Öffentlichkeit agieren. © Ann Jones/medica mondiale |
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Friedensrat in Afghanistan - Hoffnung auf Frieden bei Frauen getrübt
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Wie können sich Frauen in Afghanistan derzeit für ihre Rechte stark machen? Diese Frage hat Bele Grau, Programmleiterin für Afghanistan bei medica mondiale, bewegt, als sie sich vor wenigen Wochen in Kabul und Herat einen Eindruck verschaffte. Vor dem Hintergrund des im Oktober neu eingesetzten Hohen Friedensrates steht im Mittelpunkt der Diskussion, in welchem Ausmaß und in welcher Art die Taliban in die Beilegung der Konflikte eingebunden werden - Entscheidungen, die ohne Zweifel die Situation der afghanischen Frauen sehr beeinflussen werden. Im Gespräch erläutert Bele Grau, wie sich die politische Lage für die Frauen im Land darstellt:
Im Oktober hat die afghanische Regierung die Besetzung des Friedensrates bekannt gegeben. Wie ist die Zusammensetzung zu bewerten? Im 70-köpfigen Friedensrat sitzen nur wenige demokratische Kräfte. Neben einigen wenigen Vertretern von Nichtregierungsorganisationen und zehn Frauen wurden hauptsächlich ehemalige Kriegsherren oder Taliban-nahe Politiker in den Rat benannt. Ursprünglich waren sogar nur acht Frauen für den Friedensrat vorgesehen; nach Protesten lokaler Frauenorganisationen wurden schließlich noch zwei zusätzliche Vertreterinnen ernannt. Zwar ist mit 14 Prozent der Anteil von Frauen für afghanische Verhältnisse bereits ein kleiner Erfolg, doch entspricht er bei weitem nicht den von afghanischen Frauenrechtsgruppen und -aktivistinnen geforderten 30 Prozent an Frauenbeteiligung, sprich 21 Sitze.
Möchte die afghanische Bevölkerung überhaupt, dass Verhandlungen mit den Taliban geführt werden? Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung befürwortet mittlerweile Verhandlungen mit den Taliban, weil in ihren Augen der Konflikt im Land militärisch nicht mehr zu lösen ist. Die meisten AfghanInnen sind kriegsmüde, sie wollen, dass der Krieg, die vielen Anschläge und der Belagerungszustand in Afghanistan endlich aufhören und irgendeine Art von Frieden überhaupt erst einmal beginnt. Gleichzeitig blicken sie auch mit Argwohn auf die möglichen Ergebnisse der Friedensgespräche. Die Frage ist, welche Macht der Hohe Friedensrat überhaupt hat. Viele befürchten, dass ein großer und wichtiger Teil der Verhandlungen mit den Taliban ohnehin unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Afghanische Frauenrechtsgruppen kritisieren, dass es kaum Transparenz im Hinblick auf die Tätigkeiten des Rates gibt. Einig sind sich die meisten AfghanInnen jedoch darin, dass die Einmischung durch die USA und durch andere westliche Staaten begrenzt werden muss, da diese ihre eigenen wirtschaftlichen oder machtpolitischen Interessen verfolgen. Was können die Friedensverhandlungen für die Rechte der Frauen bedeuten? Es kommt darauf an, wie Frieden definiert wird. Bedeutet Frieden Waffenstillstand, keine Soldaten und Bomben mehr in der Stadt zu haben, oder geht es um einen umfassenden Frieden in der Gesellschaft? Dass für die Wiederherstellung des sozialen Friedens auch die Rechte von Frauen gestärkt werden müssen, darüber denken viele Männer in Afghanistan gar nicht nach. Wir müssen leider feststellen, dass die Zivilgesellschaft, und dabei im Besonderen die Frauen, zum jetzigen Zeitpunkt weder die Macht noch die Möglichkeiten haben, sich mit ihren Interessen durchzusetzen. Daran werden auch die Friedensverhandlungen so bald nichts ändern.
Die Rechte von Frauen sind insbesondere während der Taliban-Herrschaft massiv beschnitten und eingeschränkt worden - wo liegen die Befürchtungen der Frauen jetzt? Die aktuell gültige afghanische Verfassung beinhaltet recht fortschrittliche Rechte für Frauen. Der Alltag von Frauen steht aber oftmals im Gegensatz dazu, da sie in der Praxis ihre Rechte kaum durchsetzen können. Zudem gibt es derzeit von Seiten der Regierung eine Tendenz, die Rechte von Frauen weiter zu beschneiden. Viele Frauen befürchten daher, dass es im Rahmen der Verhandlungen mit den Taliban zu weiteren Einschränkungen von Frauenrechten kommen könnte. Mit großer Sorge blicken Frauenrechtlerinnen derzeit auf den schrittweisen Rückzug der internationalen Gemeinschaft, der auch dazu führen könnte, dass die Situation afghanischer Frauen auf internationaler Ebene vollständig aus dem Blickfeld gerät.
In welchem Rahmen ist für Frauen politische Arbeit in Afghanistan möglich? Ob Frauen sich politisch engagieren oder berufstätig sind, hängt im Allgemeinen von der Zustimmung der männlichen Familienangehörigen ab. Dabei kann es schon mal Meinungsunterschiede zwischen Ehemännern, Schwagern und Schwiegervätern geben. In der Regel orientieren sich jedoch die meisten Afghanen an den gesamtgesellschaftlichen Auffassungen. Traditionell gilt eine Frau, die sich politisch betätigt, sehr schnell als eine "unmoralische" Frau, da sie sich in der Öffentlichkeit zeigt. Zudem werden Frauenrechte oft mit unmoralischem, westlichem Verhalten gleichgesetzt. Dies gilt umso mehr im ländlichen Kontext, wo die Meinungen der Dorfgesellschaft oder der religiösen Führer ausschlaggebend sind.
Was bedeuten die aktuellen Entwicklungen für die Mitarbeiterinnen von medica mondiale Afghanistan - können sich unsere Kolleginnen öffentlich äußern? Die Mitarbeiterinnen probieren sehr überlegt ihre Spielräume aus. Sie müssen zu ihrem eigenen Schutz, aber auch zum Schutz ihrer Familien und der Organisation, sehr vorsichtig in der Öffentlichkeit agieren. medica mondiale Afghanistan hat kürzlich ihre zweite Pressemitteilung herausgegeben, die aber aus Sicherheitsgründen nicht an die afghanischen Medien verschickt wurde - da zeigt sich schon eine ziemlich absurde Situation. Adressaten waren andere Frauen- und Menschenrechtsgruppen sowie internationale Medien. Anlass war, dass das Oberste Gericht in Afghanistan eine bestehende Rechtsgrundlage in Frage gestellt hat: Eigentlich ist das Weglaufen von Frauen und Mädchen von Zuhause keine Straftat, das Gericht hat jetzt aber angemerkt, dass es doch eine Straftat darstellen kann, wenn die Frauen und Mädchen nicht zu Verwandten oder zu einer Polizeistation, sondern zu einer fremden Person fliehen. Denn dann könne von Prostitution oder Ehebruch ausgegangen werden.
Kürzlich gab es die Forderung religiöser Führer, bei Vergehen wie Ehebruch zu harten Strafen wie Steinigung zurückzukehren. Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Forderung und den geplanten Gesprächen mit den Taliban? Das Problem ist, dass in Bezug auf die Frauen- und Menschenrechte die Fronten nicht zwischen den Taliban und der jetzigen Regierung verlaufen, sondern quer durch die Gesellschaft. Es gibt viele Gruppierungen in der Gesellschaft, die damals auf der Seite der Taliban waren. Daher kann man heute nicht sagen, die Taliban seien die 'Bösen' und der Rest sei 'gut'. Die konservativen Kräfte in der Gesellschaft sind sehr mächtig und kommen derzeit wieder stärker zum Vorschein. Auch deshalb, weil die internationale Gemeinschaft sich zunehmend zurückzieht und meint, dass die AfghanInnen ihre Probleme künftig selbst lösen müssen. Unsere Forderung an die deutsche Bundesregierung und die internationale Gemeinschaft ist, dass sie nicht wegschauen sollen, wenn Frauenrechte eingeschränkt werden, sondern ihren Einfluss nutzen, um die afghanische Regierung auf die Einhaltung von Frauen- und Menschenrechten zu verpflichten.
Mehr zur Arbeit von medica mondiale Afghanistan
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UN-Sonderbeauftragte Margot Wallström, Monika Hauser und die Ombudsfrau für Menschenrechte Jasminka Džumhur (v.l.n.r.) beim Runden Tisch in Sarajewo © medica mondiale |
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Runder Tisch in Sarajewo - Diskussion über Strafverfolgung von sexualisierter Gewalt
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"Strafverfolgung sexualisierter Gewalt in Konflikten - Schutz und Rechte für Opferzeuginnen sexualisierter Kriegsgewalt" - unter diesem Titel fand Ende November ein Runder Tisch in Sarajewo statt. Eingeladen hatte medica mondiale in Kooperation mit der Mission der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) in Bosnien und Herzegowina. Neben der UN-Sonderbeauftragten Margot Wallström nahmen über 50 PolitikerInnnen, JuristInnen und VertreterInnen von Nichtregierungsorganisationen und Überlebendenverbänden an der Diskussion teil.
Hintergrund des Treffens war die im Frühjahr dieses Jahres von medica mondiale veröffentlichte Studie: "'...damit es niemandem in der Welt widerfährt' - Das Problem mit Vergewaltigungsprozessen: Ansichten von Zeuginnen, AnklägerInnen und RichterInnen über die Strafverfolgung sexualisierter Gewalt während des Krieges im ehemaligen Jugoslawien". Die Studie befasst sich mit den Erfahrungen von Zeuginnen, die als Opfer sexualisierter Gewalt vor dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) und der Kriegsverbrecherkammer in Sarajewo ausgesagt haben. Nun wurde die Untersuchung auch in Sarajewo der Öffentlichkeit präsentiert - die Mehrheit der für die Studie interviewten Zeuginnen sind Bosnierinnen.
Für Überlebende sexualisierter Gewalt könne die Zeugenaussage vor Gericht, die zur Verurteilung des Täters beitrage, sehr wichtig für die Verarbeitung des Traumas sein, erklärte Monika Hauser, Gründerin von medica mondiale, in ihrer Eröffnungsrede. "Die Frage ist: Wie können Frauen, die sexualisierte Gewalt erfahren haben, Gerechtigkeit erfahren, und zwar auf eine Weise, die nicht nur eine erneute Traumatisierung vermeidet, sondern neue Kraft gibt?"
Besserer Schutz und mehr Information zum Prozessablauf, psychosoziale Betreuung vor, während und nach dem Prozess sowie Rechtsberatung für die Zeuginnen, trauma- und geschlechtersensible Schulungen für das Gerichtspersonal - dies sind die Forderungen an Gerichte und PolitikerInnen in Bosnien und Herzegowina sowie an die internationale Politik, die Gorana Mlinarevic, Koautorin der Studie, beim Runden Tisch formulierte. Sie wurden anhand der Ergebnisse der Studie gemeinsam von Zeuginnen und medica mondiale erarbeitet. "Überlebende sexueller Gewalt, die vor einem Kriegsverbrechertribunal aussagen, möchten ganz einfach wie Menschen behandelt werden", so Mlinarevic.
Wie existenziell notwendig das Engagement gegen sexualisierte Kriegsgewalt sei, betonte auch die UN-Sonderbeauftragte für die Prävention von sexueller Gewalt in bewaffneten Konflikten, Margot Wallström: "Sexualisierte Gewalt ist ein Hindernis für den Friedensaufbau weltweit. Dies und die enormen Folgen der Gewalt werden immer noch nicht anerkannt, obwohl es so wichtig ist, da Frauen das Rückgrat der Gesellschaft sind!" Während ihrer Amtszeit plane sie, Analysen ausgewählter Länder erstellen zu lassen, um die Gründe für das soziale Phänomen Vergewaltigung besser zu verstehen.
Die weitere Diskussion machte deutlich, dass sexualisierte Gewalt nicht das Thema einzelner RichterInnen oder AnklägerInnen sein kann, sondern dass Politik und Gesellschaft die soziale Verantwortung für das Thema tragen - wie auch für den angemessenen Umgang mit den Zeuginnen. Auch das Ministerium für Menschenrechte und Flüchtlinge in Bosnien und Herzegowina sieht hier Handlungsbedarf und arbeitet derzeit an einer nationalen Strategie für die Verfolgung von Kriegsverbrechen. Dies ist besonders wichtig, da das ICTY bis 2013 alle Gerichtsverfahren abgeschlossen haben und seine Pforten schließen soll. Die Zuständigkeit für Prozesse gegen Kriegsverbrecher geht dann über an die nationalen Gerichtshöfe. Eine Vertreterin des Ministeriums sagte, dass vor allem politischer Willen und finanzielle Mittel nötig seien, um das Thema fortzuführen und bemerkte: "Leider können die Zeuginnen heute immer noch nicht erhobenen Hauptes durch die Straßen gehen."
Dass sich dies nicht auf Bosnien und Herzegowina beschränkt, machte Monika Hauser in ihrem Schlusswort deutlich: "Nach wie vor herrscht ein weltweites politisches und gesellschaftliches Schweigen zum Thema sexualisierte Gewalt. Es gibt keine umfassende Strategie zur Bekämpfung, weshalb sexualisierte Gewalt ein Kontinuum in der Gesellschaft bleibt". Sie regte die Bildung einer multidisziplinären Arbeitsgruppe an, damit diese Themen weiterhin auf breiter Ebene besprochen werden und um eine Strategie für den Umgang mit sexualisierter Gewalt in Bosnien und Herzegowina zu entwickeln.
Eine Zusammenfassung der Studie in deutscher, englischer und bosnischer Sprache sowie die vollständige Studie in englischer Sprache finden Sie hier.
Mehr zum Thema Gerechtigkeit für Frauen und Mädchen
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Frauen in Liberia erheben mehr und mehr ihre Stimme gegen anhaltende Gewalt und fehlende Mitspracherechte. © Sybille Fezer/medica mondiale |
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Unterstützung für Frauenprojekt in Liberia geht weiter
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Seit 2006 setzt sich medica mondiale im infrastrukturell schwachen und vernachlässigten Südosten Liberias für ein besseres Leben für Frauen und Mädchen ein. Vieles ist erreicht worden in den letzten vier Jahren, weshalb das ambitionierte und erfolgreiche Projekt nun für drei weitere Jahre fortgesetzt wird. Im Oktober startete der neue Projektzyklus.
medica mondiale blickt auf eine Vielzahl an positiven Entwicklungen und Erfolgen während der letzten vier Jahre zurück: 18 Schutz- und Unterstützungsnetzwerke zur Verhinderung von Gewalt gegen Frauen hat das Team vor Ort seit 2006 aufgebaut. Darin sind rund 120 Frauen aktiv, die Fälle von Gewalt aufnehmen und Frauen und Mädchen weitervermitteln. 31 freiwillige Helferinnen hat medica mondiale zu kompetenten Ansprechpartnerinnen für Frauen und Mädchen auf Dorfebene geschult. Sie führen erste Gespräche mit den Betroffenen und vermitteln sie zu den medizinischen, psychosozialen und rechtlichen Beratungsangeboten von medica mondiale Liberia, begleiten sie zu Krankenhäusern, Gerichten und Polizei. 13 Palaver Huts - einfache, aber solide Hütten aus Lehm und Palmblättern - wurden gebaut, die den Mädchen und Frauen vor Ort als Versammlungsort und Anlaufstelle dienen. Über 1.000 Frauen und Mädchen haben seit Beginn des Projektes Unterstützung erfahren und ihre Situation verbessern können.
Gleichzeitig hat medica mondiale Liberia Angestellte von Polizei, Gerichten sowie Krankenhäusern geschult, damit sie betroffenen Frauen angemessen und respektvoll begegnen. Rund 28.000 Frauen, Männer und Kinder in Dorfgemeinschaften wurden auf Marktplätzen, durch Hausbesuche, öffentliche Kampagnen und über Radio zu Themen wie Gewalt gegen Frauen, Erbschaftsrechte und HIV/Aids aufgeklärt.
Dies alles umzusetzen, ist allerdings keine einfache Aufgabe. Es sind vor allem die tief verwurzelten patriarchalen Gesellschaftsstrukturen im Südosten Liberias, die es Frauen schwer machen, gleichberechtigt am Dorfleben zu partizipieren, Mitsprache zu haben oder ihre Rechte durchzusetzen. Die Realität in den Projekten zeigt immer wieder: Veränderungsprozesse brauchen Zeit. Doch nicht nur in den Dorfgemeinschaften, auch in den Institutionen ist ein Umdenken nötig: Korrupte oder unfähige Gerichte, schlecht ausgestattete Behörden und Krankenhäuser sowie ungenügend ausgebildete PolizistInnen, ÄrztInnen und KrankenpflegerInnen beispielsweise verhindern, dass Frauen ihre grundlegenden Rechte verwirklichen können. Zu einer weiteren Herausforderung für das Team vor Ort zählt die Logistik: Die Straßen im Südosten sind vor allem in der Regenzeit in einem katastrophalen und teilweise unpassierbaren Zustand. Während der Regenmonate ist es zeitweise unmöglich, in die entlegenen Projektgebiete zu fahren. Für die MitarbeiterInnen sind die oft mehrstündigen Fahrten in die Dörfer sehr zermürbend. Die Kosten für Instandhaltung und Reparatur der Fahrzeuge sind entsprechend hoch.
Im Rahmen der neuen Projektphase wird medica mondiale daher auch weiterhin betroffene Frauen und Mädchen mit vielfältigen und umfassenden Beratungsangeboten stärken und ihnen dabei helfen, Einrichtungen wie Krankenhäuser, Gerichte und Polizei zu nutzen. Deren MitarbeiterInnen - RichterInnen, SchöffInnen, Polizeibeamte und medizinisches Personal - werden auch künftig intensiv fortgebildet, damit sie Frauen und Mädchen adäquate Unterstützung zukommen lassen können. Des Weiteren sollen die Schutz- und Unterstützungsnetzwerke für Frauen gefestigt und regional ausgeweitet werden. Auch auf Regierungsebene wird sich medica mondiale weiterhin für eine bessere Umsetzung von Gesetzen zum Schutz von Frauen und für mehr Gleichberechtigung und Partizipation engagieren.
Die Arbeit von medica mondiale in Liberia ist Teil des so genannten "Wiedereingliederungs- und Aufbauprogramms für den Südosten Liberias", das medica mondiale in einem Gemeinschaftsprojekt mit der Deutschen Welthungerhilfe und der dänischen Organisation ibis durchführt. Auftraggeber ist die Kreditanstalt für Wiederaufbau. Während zu den Aufgaben der Welthungerhilfe Projekte im Bereich der Landwirtschaft, der Bau von Straßen, Brunnen und Schulen zählen, engagiert sich ibis in der Ausbildung von LehrerInnen und in der Berufsausbildung von Jugendlichen.
Das Programm wird hauptsächlich vom Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert. Des Weiteren unterstützt die Schweizer Stiftung Dear Foundation die Arbeit von medica mondiale in Liberia.
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Die Gynäkologin Merita Byci-Rruka (rechts) bei einem Einsatz im Dorf Rracaj © Stefanie Keienburg/medica mondiale |
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Mit der mobilen Ambulanz in die Dörfer - Interview mit einer kosovarischen Ärztin
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Seit 1999 arbeitet die Gynäkologin Merita Byci-Rruka für Medica Kosova. In der mobilen Ambulanz von Medica Kosova - einem umgebauten Kleinbus mit integriertem gynäkologischen Behandlungsraum - fährt die Ärztin drei Mal pro Woche mit ihrem Team zu Frauen, die in den umliegenden Dörfern von Gjakova leben. Auch zehn Jahre nach Ende des gewalttätigen Konflikts ist die Ärztin während ihrer Arbeit mit den Folgen des Krieges konfrontiert. Sie erzählt uns, welche das sind und wie sie selbst damit umgeht.
Warum ist die Arbeit in der mobilen Ambulanz so wichtig für die Frauen im Kosovo? Für die Frauen aus entfernten Dörfern ist es sehr schwierig nach Gjakova zu kommen, um sich untersuchen zu lassen. Oft fehlt den Frauen das Geld für die Fahrt in die Stadt. Es ist also einfacher, wenn wir mit der mobilen Ambulanz zu ihnen fahren. Wir betreuen auch sehr viele Witwen, deren Familienmitglieder ihnen verbieten, alleine in die Stadt zu fahren. Darüber hinaus gibt es auch Ehemänner, die ihren Frauen nicht erlauben, nach Gjakova zu kommen.
Wenn Sie mit der Ambulanz in die Dörfer fahren, bekommen dann die Frauen keine Probleme mit ihren Familien? Den ersten Schritt machen immer die psychosozialen Beraterinnen von Medica Kosova. Sie fahren in die Dörfer, sprechen mit den Menschen vor Ort und fragen, ob wir mit der gynäkologischen Ambulanz dort arbeiten und behandeln dürfen. Zudem müssen wir immer erst eine Erlaubnis von dem Dorfältesten oder einem Lehrer einholen.
Mit welchen überwiegenden Anliegen oder Problemen kommen die Frauen zur Ambulanz? Die meisten Frauen, die zu uns kommen, leiden an Bauch- oder Rückenschmerzen, haben eine Eierstockentzündung oder eine Entzündung der Vagina. Es kommen sehr viele Frauen mittleren Alters zu uns, aber in letzter Zeit auch mehr und mehr jüngere Frauen. Zu Beginn unserer Arbeit haben wir mit den Müttern darüber gesprochen, wie wichtig es ist, dass sich auch die jüngeren Frauen und Mädchen untersuchen lassen. Sie ermuntern nun ihre Töchter oder Schwiegertöchter, zu uns kommen.
Mehr als zehn Jahre nach dem Krieg im Kosovo wurde festgestellt, dass immer mehr Frauen an Brustkrebs und Gebärmutterhalskrebs erkranken. Es wurde ein Zusammenhang vermutet zwischen den traumatischen Kriegserlebnissen der Frauen und deren psychosomatischen Folgen. Wurde dieser Zusammenhang inzwischen bestätigt? Offiziell gibt es darüber keine Statistik, aber wir haben in unserer gynäkologischen Arbeit erkannt, dass Frauen, die traumatisiert sind, die den Krieg und die Gewalt erlebt haben, in jedem Fall ein größeres Risiko haben, an Krebs zu erkranken.
Wie lange braucht Medica Kosova für gewöhnlich, um mit den Frauen in Kontakt zu kommen und um eine Vertrauensbasis aufzubauen? Das ist unterschiedlich. Manchmal dauert es sehr lang, bis sich die Frauen öffnen, aber dann können wir ihnen helfen. Es gibt aber auch Fälle, in denen wir eine Frau über einen längeren Zeitraum behandeln und begleiten und dann trotzdem sagen müssen: Wir haben gar nichts erreicht. Das passiert vor allem dann, wenn eine Frau besonders schwer traumatisiert ist.
Gab es für Sie eine Begegnung in der mobilen Ambulanz, die für Sie besonders bewegend war? Einmal kam eine Patientin zu uns und sagte: "In unserem Dorf gab es 200 Frauen. Wir wurden in einem großen Haus eingesperrt, und dort waren wir zwei Tage lang." Das war alles, was sie erzählte. Danach ging sie. Und da es bei uns die Regel gibt, das zu respektieren, was die Frauen erzählen, fragten wir nicht weiter nach. Wir beschlossen jedoch, in das Dorf zu fahren und dort Untersuchungen zu machen, in der Annahme, diese Frau würde wahrscheinlich noch mal zu uns kommen. Aber sie kam nicht wieder. In einer solchen Situation fühlt man sich hilflos. Das ist aber nur ein Beispiel von vielen; wir erleben sehr viel in der Ambulanz. Manchmal kommt es vor, dass eine Frau zu uns kommt und sagt: "Ich kenne eine Frau, die vergewaltigt wurde." Sie nennt keinen Namen, sondern sagt nur: "In diesem Dorf ist dies und das geschehen." In manchen Fällen schließen wir daraus, dass der Frau, die uns davon erzählt, selbst etwas im Krieg passiert ist.
Sie werden durch Ihre Arbeit täglich mit den Folgen des Krieges konfrontiert. Wie gehen Sie damit um? An manchen Tagen ist es leichter, an anderen schwieriger. Wenn ich nach der Arbeit nach Hause gehe, dann begleitet mich das Ganze. Denn obwohl der Krieg zehn Jahre her ist, gibt es immer noch viele Frauen, die jetzt erst das Bedürfnis haben, sich zu öffnen und zu erzählen, was ihnen passiert ist. Vor einigen Monaten hatte ich eine Patientin, die sagte: "Ich kann das nicht mehr aushalten! Es ist mir passiert, ich bin während des Krieges vergewaltigt worden. Ich muss mit dir sprechen." Auf einmal hat sie begonnen alles zu erzählen. Sie war dann zwei Monate in unserer Praxis bei Medica Kosova. Das Beispiel macht deutlich, dass die Frauen das Erlebte lange Zeit in sich unter Verschluss halten wie unter einem Deckel. Und auf einmal geht dieser Deckel auf und plötzlich brechen die Emotionen hervor.
Wie verarbeiten Sie das, was Sie von den Frauen hören? Oft lasse ich mir von unseren psychosozialen Beraterinnen helfen. In so genannten Intervisionsgruppen sprechen wir über besonders schwierige Fälle. Es gibt zudem Supervisionen für unser Team und Entlastungsübungen. Diese Übungen nutzen wir auch mal ganz spontan. Wenn eine Kollegin sagt: "Ich kann nicht mehr", dann kann sie jederzeit reden und eine Entlastungsübung. Das ist sehr gut und hilfreich. Aber am Anfang meiner Arbeit bei Medica Kosova wollte ich mehrmals aufhören. Es war für mich zunächst eine Katastrophe, weil es so schwierig war, mit den Frauen zu arbeiten, die so viel im Krieg erlebt hatten.
Was hält Sie bei der Arbeit für Medica Kosova? Es wäre sehr egoistisch von mir zu sagen, ich möchte nicht mehr mit den Patientinnen arbeiten. Ich habe sehr lange gebraucht, um Vertrauen zu den Frauen aufzubauen. Wenn ich jetzt ginge, käme eine neue Ärztin, die wieder viel Zeit bräuchte, um das Vertrauen der Frauen zu gewinnen.
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Bis heute warten die Überlebenden sexualisierter Gewalt in Guatemala auf eine Aufklärung der Bürgerkriegsverbrechen. © Karin Griese/medica mondiale |
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Hilfe für Frauen in Mittelamerika, Asien und Afrika - neue Projektförderungen von medica mondiale
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In der zweiten Jahreshälfte hat medica mondiale mehrere kleinere Frauenprojekte in vier Ländern gefördert. Bei den PartnerInnen handelt es sich um lokale Organisationen, die sich in ihren Ländern für die Rechte von Frauen und Mädchen einsetzen und gegen Gewalt und Unterdrückung kämpfen. Die Projekte werden mit kleinen Summen zwischen 5.000 und 10.000 Euro unterstützt.
In der Demokratischen Republik Kongo fördert medica mondiale seit November die Arbeit der Frauenrechtsorganisationen SOFEPADI und GRAFIA. Die Organisationen unterstützen in dem von Krisen geschüttelten Osten des Landes insgesamt 145 Überlebende sexualisierter Gewalt, indem sie ihnen Zugang zu medizinischer, psychosozialer und ökonomischer Hilfe ermöglichen. Darüber hinaus dokumentieren sie Fälle sexualisierter Gewalt innerhalb der Gemeinden und vertreten Frauen und Mädchen vor Gericht.
In Guatemala unterstützt medica mondiale seit September ein Projekt der Menschenrechtsorganisationen ECAP und UNAMG. Sie beraten und begleiten Frauen, die während des über 30jährigen Bürgerkriegs in Guatemala vergewaltigt und gefoltert wurden. Auch viele Jahre nach den Gewalttaten leiden zahlreiche Betroffene noch immer unter den körperlichen und psychischen Folgen der Kriegsgewalt. ECAP und UNAMG bieten den Überlebenden medizinische Versorgung, psychosoziale sowie juristische Beratung und setzen sich für die Aufarbeitung und die offizielle Anerkennung der Verbrechen ein.
In der indonesischen Provinz West-Papua führen die Unabhängigkeitsbestrebungen seit vielen Jahren zu gravierenden Menschenrechtsverletzungen an der Zivilbevölkerung, darunter Mord, Folter und Vergewaltigung. Im August begann die indonesische Frauenrechtsorganisation NUR mit Unterstützung von medica mondiale in West-Papua mit einem dreimonatigen Theaterprojekt. Rund 25 Überlebende sexualisierter Gewalt erzählen von ihren Erfahrungen, bringen die Probleme ihres Alltags auf die Bühne und bearbeiten dadurch ihre traumatischen Erlebnisse.
Im Südsudan hält auch fünf Jahre nach offiziellem Ende des Bürgerkriegs die Gewalt gegen die Zivilbevölkerung an. Frauen und Kinder in abgelegenen Gegenden und Flüchtlingslagern sind in hohem Maß von sexualisierter Gewalt und Ausbeutung betroffen. Mit Förderung durch medica mondiale kümmert sich die Frauenrechtsorganisation Isis-WICCE derzeit um die medizinische Versorgung von rund 100 Frauen in der südsudanesischen Region Zentral-Äquatoria - für viele Überlebende ist dies oftmals die einzige Möglichkeit einer professionellen Unterstützung. |
 
Die Partnerorganisation PAIF unterstützt kongolesische Frauen im Kampf gegen Vergewaltigungen. © Cornelia Suhan/medica mondiale |
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Solidarität mit den Frauen im Ostkongo!
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"Kriege, Korruption und die Kunst des Überlebens", "Kongo muss jetzt Verbrechen aufarbeiten" oder "Schockierende Gewalt gegen Frauen" - so lauten ein Buchtitel sowie die Überschriften zweier Zeitungsartikel, die die aktuelle Situation im Osten der Demokratischen Republik (DR) Kongo beschreiben: Eine Region, in der die Gewalt gegen die Zivilbevölkerung nicht abreißt, aus der uns fortwährend Informationen über brutale Menschenrechtsverletzungen erreichen.
Erinnern Sie sich an die Medienberichte über tagelange Vergewaltigungen in Dörfern im Ostkongo vor wenigen Wochen und an die Kritik, die internationalen Schutztruppen hätten die Zivilbevölkerung vor diesen Gewaltverbrechen nicht geschützt?
Unsere Projektpartnerin PAIF unterstützt in den Provinzen Nord- und Süd-Kivu im Osten des Landes Frauen, die von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen sind und setzt damit ein deutliches Zeichen gegen die andauernde Gewalt. PAIF hilft durch medizinische Erstversorgung, begleitet die häufig schwer verletzten Frauen in Krankenhäuser, zur Polizei oder vor Gericht. Mit trauma-sensiblen Beratungsangeboten, Selbsthilfegruppen und Ausbildungskursen sorgt die Frauenorganisation zudem für die psychische Stabilisierung der Frauen und hilft ihnen, einen Weg aus der Armut zu finden.
medica mondiale wird PAIF auch im nächsten Jahr mit rund 180.000 Euro weiter unterstützen, so dass nachhaltige Hilfe für die Mädchen und Frauen möglich wird - Hilfe, durch die aus Opfern Überlebende mit Würde werden. Hilfe, die dank Ihrer Spenden und Ihrer Solidarität erst realisiert wird.
Mehr über das Mut machende Engagement unseres Partnerprojektes erfahren Sie hier.
Weitere Informationen über unsere Arbeit in der DR Kongo
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