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 P.
war 14, als sie verheiratet wurde. „Ich wurde gezwungen, und ich habe
meinen Ehemann die ganzen elf Jahre lang gehasst.“ P.s neugeborene Tochter
wog bei ihrer Geburt nur 1,8 Kilo.
K. musste mit 15 heiraten. Heute hat sie acht Kinder – sieben Töchter
und einen Sohn – und ist wieder schwanger. Ihr Mann will mehr Söhne und
schlägt sie jedes Mal, wenn sie ein Mädchen zur Welt bringt.
A. war zwölf, als sie einem 40-Jährigen zur Frau gegeben wurde. Sie hat
inzwischen vier Kinder bekommen und ist zum fünften Mal schwanger. Ihr
Mann kann nicht arbeiten, weil er krank ist. A. schickt ihre Töchter zum
Betteln auf die Straße.
Drei von vielen Fällen, die die Mitarbeiterinnen von medica mondiale
(‚mm’) seit 2002 in Afghanistan tagtäglich bei ihrer Arbeit begegnen.
„Wir wissen, dass viele Mädchen mit sechs oder sieben Jahren an 30- oder
40-jährige Männer verheiratet werden“, sagt Dr. Sima Samar, Leiterin der
Afghanischen Unabhängigen Menschenrechtskommission, auf Anfrage von mm.
Gesundheitsministerin Dr. Sohaila Seddiki bestätigt: „Eltern verheiraten
ihre Kinder in jedem Alter, obwohl das gesetzlich verboten ist. Kinderheirat
ist ein riesiges Problem in Afghanistan.“
P.s Tochter wog bei ihrer Geburt nur 1,8 Kilo.
Trotzdem haben die Institutionen bisher nichts unternommen, um
die weit verbreitete Zwangsverheiratung junger Mädchen zu unterbinden.
Dabei muss nach afghanischem Recht ein Mädchen mindestens 16 Jahre  alt
sein, um eine Ehe eingehen zu können, selbst die islamische Scharia fordert
ein Mindestalter von 15 Jahren. Dennoch werden Väter, die ihre Töchter
im Kindesalter verheiraten, bisher nicht strafrechtlich verfolgt. Zahlen
über die Häufigkeit von Mädchenheiraten und das Alter der „Bräute“ lagen
nicht vor.
medica mondiale hat jetzt den ersten Report über Mädchenheirat in Afghanistan
erstellt. Die Kabuler mm-Mitarbeiterinnen Sejia Bahgam und Wahida Mukhatari
haben rund 25.000 Krankenakten aus Entbindungsstationen und 74.000 Akten
aus 15 Kabuler Schulen ausgewertet. Ergebnis: In jedem Krankenhaus hatten
Mütter entbunden, die selbst erst 12 oder 13 Jahre alt sind. Dabei ist
das nur die Spitze des Eisbergs, denn: „Selbst bei den Müttern, die 16,
18 oder 20 Jahre alt sind, wissen wir nicht, zum wievielten Mal sie entbunden
haben“, erklärt Wahida Mukhatari. „Der einzig akzeptable Prozentsatz von
Müttern unter 16 Jahren ist: null!“
In einigen Schulen waren bis zu elf Prozent der Schülerinnen – und Schüler
– bereits verheiratet.
In jedem Krankenhaus entbinden zwölfjährige Mütter
In Herat starteten die mm-Mitarbeiterinnen eine Fragebogenaktion.
Von 686 Befragten waren 129 bei ihrer Heirat erst 15 Jahre und jünger
– zwei „Bräute“ waren bei ihrer Hochzeit erst sieben Jahre  alt.
Weitere Recherchen im Frauengefängnis von Kabul ergaben: 60 Prozent der
inhaftierten Frauen waren 16 oder jünger, als sie zur Heirat gezwungen
wurden. Der Zusammenhang liegt nahe: Gerade die so jung verheirateten
Mädchen werden besonders oft von ihren Ehemännern geschlagen, vergewaltigt
und zu schwerer körperlicher Hausarbeit gezwungen. Wenn sie weglaufen
oder sich wehren, sind sie es, die verhaftet werden. Sejia Bahgam: „Wir
kennen keinen einzigen Fall, in dem ein Mann strafrechtlich verfolgt wurde,
weil er ein Mädchen unter 16 geheiratet hat. Aber wir kennen viele Fälle,
in denen junge zwangsverheiratete Mädchen ins Gefängnis gesteckt wurden,
weil sie sich gegen die Ehe gewehrt haben.“
Der mm-Bericht hat die Autoritäten wachgerüttelt: Die zuständigen Ministerien,
darunter Justizminister Dr. Abdul Hamid Karimi, Gesundheitsministerin
Dr. Sohaila Seddiki und Frauenministerin Habiba Saribi, kündigten eine
nationale Aufklärungs-Kampagne gegen Mädchenheirat an: „Kinderheirat ist
ein großes Problem, dass wir mit größter Dringlichkeit angehen müssen.“
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