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Am 4. April ratifiziert Afghanistan die UN-Konvention (CEDAW) gegen Diskriminierung von Frauen – immer noch katastrophale Lebensbedingungen |
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| Abgeschoben
und vergessen – |
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| Bettina Böttinger
und Monika Hauser berichten von gemeinsamer Kabul-Reise
Positiv betonten beide ihre Eindrücke des mm-Fortbildungsprogrammes von 40 Kabuler Fachfrauen. Nach nur neun Monaten habe sich ein starkes Netzwerk unter den Psychologinnen, Ärztinnen, Hebammen und Gesundheitsaktivistinnen verschiedener Hilfsorganisationen vor Ort herausgebildet. In ihrer Funktion als Fachfrauen konnten sie durch ein internes Überweisungssystem rund 15.000 Patientinnen und Klientinnen in Kabul und Umgebung erreichen. Finanziert wird das Programm größtenteils über das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).
Monika Hauser: „Wir sind seit einem Jahr vor
Ort und haben mit den meisten der gefangenen Frauen ein Vertrauensverhältnis
aufbauen können. Vor allem die juristische Beratung ist existenziell
für die Frauen, neben materieller Hilfe wie Kleidung und Babynahrung
sowie die Unterstützung durch die mm-Psychologin, welche die verzweifelten
Frauen regelmäßig besucht. Als Gynäkologin habe ich zwei
Frauen kurz nach der Geburt untersucht, die so unterernährt sind,
dass sie ihre Babys nicht stillen können. Sie unter diesen Bedingungen
in diesen kalten, mit Schimmel überzogenen Zellen zu sehen, widerspricht
jedem Menschenrecht. Die Unterstützung durch organisierte Sprechzeiten
mit Anwältinnen des Frauenministeriums werden von den inhaftierten
Frauen sehr gut angenommen, die dadurch objektiven Rechtsbeistand erhalten.
mm besucht die Frauen darüber hinaus wöchentlich, um mit ihnen
den Fortgang ihres oft verschleppten Prozesses und die weiteren Schritte
zu besprechen. Da die meisten der Frauen Analphabetinnen und komplett
von ihren Familien abhängig sind, ist dieser strukturelle Beistand
überlebenswichtig. Bettina Böttinger berichtet von einem Besuch bei den inhaftierten Frauen: „Die Frauen freuten sich nicht nur über die kleinen Geschenke, die ihnen die mm-Mitarbeiterin Ra-chel Wareham mitbrachte. Diese eingesperrten Frauen begrüßten eine, die ihnen zur Freundin und Vertrauten geworden war.“ “Verbrechen“ wie zum Beispiel die Flucht eines 14-jährigen Mädchen vor der Verheiratung mit einem 60-Jährigen oder außerehelicher Geschlechtsverkehr werden in Kabul als Gründe für eine langjährige Inhaftierung angeführt. Monika Hauser: „Ich konnte mir ein Bild über einen Staat machen, der sich zum Rechtsstaat entwickeln will. Und der es dennoch zulässt, dass Frauen nicht etwa wegen krimineller Taten verhaftet werden, sondern weil sie der Ehemann loswerden will und sie deshalb bezichtigt, etwas „Verbrecherisches“ getan zu haben. Aufgrund des gesellschaftlichen Kodexes werden sie von ihrem familiären Umfeld als Kriminelle gesehen und sind ab diesem Moment mit einem Stigma behaftet. Die rechtsstaatliche Untersuchung verläuft äußerst schleppend, die Beweisaufnahme ist völlig unprofessionell und kann leicht von zahlenden Verwandten beeinflusst werden. Dies wird zusätzlich verlangsamt durch die Geheimhaltung der allgegenwärtigen sexuellen Gewalt gegen Frauen und ihr Wegschließen in Gefängnissen. Deshalb fordern wir die internationale Gemeinschaft dringend dazu auf, Druck auf die gesellschaftlichen Kräfte in Afghanistan auszuüben. Nur so werden sich demokratische Entwicklungen durchsetzen können – und nur so erhalten die zahlreichen Anhänger einer demokratischen Ordnung im Land ein klares Signal. Wenn dies nicht geschieht, bedeutet dies eine Unterstützung für die konservativen afghanischen Feudalherren alter Prägung!“ Was medica mondiale bisher für die Rechte der gefangenen
Frauen in Afghanistan erreicht hat
Monika Hauser: „Ich war sehr begeistert über die Fortschritte in unserem Fort- bildungsprogramm. Durch dieses insgesamt auf vier Jahre angelegte Programm zur Fortbildung von 40 Kabuler Fachfrauen zu Multiplikatorinnen, können Frauen erreicht werden, die in diesen Seminaren weit mehr als fachliches Know how in der Traumaarbeit erlernen. In einem geschützten Raum ist so ein Austausch über Themen möglich, wie dies bis dato in Afghanistan nicht möglich war. Es war wunderbar für mich zu sehen, wie zum Beispiel unsere Psychologin, die auch mit den Frauen im Gefängnis arbeitet, sich aus ihren Fesseln innerhalb dieser einengenden Gesellschaft löst und sich komplett der Arbeit für Frauen verschreibt. Auch für solche, die hier als „schmutzig“ bezeichnet werden, wie zum Beispiel für Witwen, Prostituierte und unehelich Schwangere.“ Bettina Böttinger teilt diesen Eindruck: „Ich war erstaunt, vor allem über die Offenheit der Psychologinnen und Hebammen. Plötzlich wurde über Tabuthemen wie Empfängnis- verhütung oder Zwangsprostitution ganz offen gesprochen.“ Hier hat mm den Anstoß gegeben, der schon viele Früchte getragen hat. Gerade diese Fachfrauen aus Kabul, die mm für das Projekt gewinnen konnten, die täglich mit den zerstörerischen Folgen von 20 Jahren Krieg, Terrorregimen, Vergewaltigung und der Frauenverachtung in den sozialen Stammeskodizes zu tun haben, wissen um die unendliche Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit der afghanischen Frauen und Mädchen.
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| © medica mondiale e.V. · 13.10.2003 |