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"In der Traditionsfalle" - medica mondiale legt Bericht über inhaftierte Frauen in Kabul vor

 

Forderung nach stärkerem Druck auf konservative afghanische Kräfte durch die Internationale Gemeinschaft

Köln, im März 2003. Die Frauen-Hilfsorganisation medica mondiale legt einen umfangreichen Bericht über inhaftierte Frauen im Kabuler Gefängnis vor. Die Autorin und Frauenrechtsaktivistin Rachel Wareham, die seit anderthalb Jahren für medica mondiale in Kabul arbeitet, belegt mit vielen Fallbeispielen und Hintergrundanalysen die Situation der Frauen im Gefängnis. Hintergrund- informationen zur juristischen Lage der Frauen in Afghanistan und den Mechanis- men der afghanischen Regierung zeigen zudem deutlich auf, wie desolat die Situation für die Frauen in Afghanistan immer noch ist.

Im Gefängnis "Kabul Welayat" (einer baufälligen Baracke) sind Frauen und Mädchen - teilweise mit ihren Kindern - zumeist unschuldig in- haftiert: Einige sind konkreter Verbrechen beschuldigt, andere sitzen in Untersuchungs- haft - und eine große Anzahl sind Frauen und Mädchen, die selbst Opfer von Gewalt sind und zum Beispiel wegen der Flucht aus Gewaltbeziehungen oder vor Zwangs- verheiratung des "Ehebruches" angeklagt sind. Die meisten sitzen ein, weil sie gegen Regeln "verstoßen" haben, die jedoch laut internationalen Menschenrechtskonventionen gar keine Regelverstöße darstellen. Zwar hat die afghanische Regierung diese Konventionen unterzeichnet - die afghanische Realität der Frauenunterdrückung und Gewalt gegen Frauen führt jedoch dazu, dass traditionelles Feudalrecht nach wie vor das individuelle Menschenrecht der Frauen bricht.

Deshalb muss - so die Forderung von medica mondiale - die Internationale Gemein- schaft dringend die fortschrittlichen Kräfte in der afghanischen Regierung stärker unterstützen. Die Frauen brauchen angemessene juristische Unterstützung, sie brauchen die Grundlagen für einen fairen Prozess, und das juristische Prozedere muss dringend internationalen Menschenrechts-Standards angepasst werden. Dazu braucht auch das Gefängnispersonal und die Polizei eine angemessene Ausbildung. Das afghanische Justizsystem basiert in seiner Anwendung immer noch auf herkömmlichen Definitionen von Verbrechen und deren Bestrafung. Diejenigen, die in diesen Bereichen arbeiten, dürfen diesem System, das geschriebenen Gesetzen widerspricht, nicht länger vertrauen.

-> deutsche Version (31 Seiten, 308 KB)
-> englische Version (27 Seiten, 304 KB)

 

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© medica mondiale e.V.  · 26.03.2003