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Gerechtigkeit

Gerechtigkeit für Frauen und Mädchen


Etwa zwei von drei Liberianerinnen wurden während des Bürgerkrieges vergewaltigt.© Foto: Sybille Fezer/medica mondiale


Für diejenigen von uns, die auf den Tod warten, wird diese Gerechtigkeit zu langsam sein. Wir werden tot sein und niemand wird unsere Geschichte kennen. Unsere Familien wurden getötet und die Kinder, die uns geblieben sind, sind zu jung, um Bescheid zu wissen. Was uns passiert ist, wird mit uns begraben werden. Die Menschen, für die dieser Gerichtshof eingerichtet wurde, stehen vor dem Untergang - wir sterben. Wir werden tot sein, bevor wir irgendeine Gerechtigkeit erleben

Eine Ruanderin über das Ruanda-Tribunal

Nicht erst die Kriege der letzten Jahre zeigen, dass Frauen und Mädchen in bewaffneten Auseinandersetzungen gezielt angegriffen werden, in der Regel sexuell. Die spätere Anerkennung als Kriegsopfer wird ihnen fast immer verwehrt. Mehr noch. In den meisten Fällen gelten sie als lebenslang gebrandmarkt und werden von ihren Familien und Gesellschaften ausgegrenzt – es sei denn, sie schweigen über die erlebte Gewalt und verzichten auf jegliche Gerechtigkeit, Wiedergutmachung und Genugtuung.

Gewalt, vor allem sexualisierte Gewalt, gehört für den überwiegenden Teil der weiblichen Weltbevölkerung zur Alltagserfahrung. Sie existiert für sie vor dem Krieg, während des Krieges, nach dem Krieg. Auch nach Kriegen, bewaffneten Auseinandersetzungen, Pogromen oder Staatsterror liegt der allgemeine Gewaltpegel im Alltagsleben in der Regel wesentlich höher als zuvor. Das bekommen Frauen und Mädchen besonders zu spüren. Die Gewalt in den Familien nimmt oft zu, ohne dass es Zufluchtsorte für Frauen gäbe. Für Nachbarschaftsgangs wird Gruppenvergewaltigung zum Sport; in Südafrika, dem Land mit der höchsten Vergewaltigungsrate, gibt es dafür einen eigenen Namen: Jackrolling. In Guatemala machen seit Ende des 30jährigen Bürgerkriegs mafiöse Banden, deren Mitglieder häufig entlassene Soldaten und Paramilitärs sind, gezielt Jagd auf jungen Frauen. Sie vergewaltigen sie, foltern und zerstückeln sie, um sie dann in Plastiksäcken wegzuwerfen. Im Irak stieg gleich nach der Intervention der US-geführten Truppen die Entführungsrate von Schulmädchen sprunghaft an.

Auch eine moderne Form der Sklaverei zielt vor allem auf die weibliche Bevölkerung ab – der Frauen- und Mädchenhandel in die Zwangsprostitution. Nach Schätzungen des US-Außenministeriums sind 80 Prozent der weltweit grenzüberschreitend gehandelten Menschen Frauen und Mädchen, verkauft zum Zweck ihrer sexuellen Ausbeutung – ein Geschäft, das laut UN-Schätzungen sieben bis zehn Milliarden Dollar jährlich einbringt.

Gewalt gegen Frauen allgemein, Vergewaltigungen im Krieg, sexuelle Versklavung und Überlebensprostitution von Minderjährigen – auch mit Mitgliedern der UN-Friedenstruppen und humanitären Helfern als Kunden – erhöhen das Ansteckungsrisiko bei Frauen und Mädchen mit dem HI-Virus. Laut Weltgesundheitsorganisation sind mittlerweile 57 % aller HIV-infizierten Erwachsenen in Afrika südlich der Sahara Frauen und Mädchen.

Weder die wachsende Wahrnehmung dieser Gewalt noch ihre Verurteilung in UN-Resolutionen und die Einrichtung zahlreicher internationaler Programme haben das Ausmaß dieser Gewalt bislang einschränken können.

Kontakt

medica mondiale e.V.
E-Mail Gabriela Mischkowski
Fachreferentin für Geschlechtergerechtigkeit
Hülchrather Str.4
D-50670 Köln
Tel: +49.221.931.898.27

 

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© medica mondiale e.V. ·  13.11.2007