Köln, 23. November 2016

Olivia hat viel vor, sie möchte Informatikerin werden. Die 21-Jährige lebt in Ruanda, in der Nähe von Kigali. Als sie endlich die Zusage von der Universität bekommt, tanzt und singt sie vor Freude. Erst im zweiten Moment kommen gemischte Gefühle in ihr auf und die Angst vor dem Abschied von ihrer Mutter, die ihr so nah ist.

Olivia: „Ich verstehe meine Mutter jetzt endlich besser“

Olivia (rechts) neben Godelieve Mukasarasi, Gründerin der Organisation SEVOTA und ihrer Mutter. Copyright: Inga Neu/medica mondiale
Olivia (rechts) neben Godelieve Mukasarasi, Gründerin der Organisation SEVOTA und ihrer Mutter.

Ein einfaches Häuschen in der Nähe der Stadt Kigali in Ruanda. Im Garten grasen zwei Kühe und ein paar Ziegen. Hier lebt Olivia mit ihrer Mutter. Olivia ist 21 Jahre alt und so lange ist auch der Völkermord in Ruanda her.

Er wird immer ein Teil von Olivias Lebens sein, denn ihre Mutter wurde während des Genozids vergewaltigt und mit ihr schwanger. Olivia kam zur Welt, hineingeboren in eine schwer belastete Beziehung zu ihrer traumatisierten Mutter. Doch sie haben es geschafft zueinander zu finden.

Überlebende kämpfen nicht nur mit den Folgen der Gewalt und der Ausgrenzung durch die Gesellschaft, sondern auch mit Gefühlen von Schuld und Ablehnung gegenüber ihren Töchtern und Söhnen.

Unsere Partnerorganisation SEVOTA (Solidarité pour l’Epanouissement des Veuves et des Orphelins visant le Travail et l’Auto promotion) half den Frauen ihren tiefgreifenden Konflikt zu überwinden und eine gelöste Mutter-Kind-Beziehung aufzubauen.

Lesen Sie hier die ganze Geschichte von Olivia.

 

 

TeilnehmerInnen des SEVOTA- Jugendcamps. Copyright: Karen Knipp-Rentrop/medica mondiale
TeilnehmerInnen des ersten SEVOTA- Jugendcamps im Sommer 2016.

SEVOTA richtet sich gegen Ausgrenzung und holt Überlebende sexualisierter Kriegsgewalt aus ihrer Isolierung. Frauen werden zusammengebracht und erleben in familiären Gruppen die Zugehörigkeit, die ihnen so lange fehlte.

2016 richtete sich SEVOTA erstmals auch an junge Frauen und Männer. Sie sollen Orientierung und Halt erfahren, ihr Leben selbstbestimmt leben und ihre Heimat friedlich mitgestalten.

Die Foren für Frauen und Jugendliche gliedern sich in zwei Teile:

Im therapeutischen Forum werden die Geschehnisse aufbereitet, das Trauma wird beschrieben und greifbar gemacht. Die Teilnehmenden packen ihren eigenen „Resilienzkoffer“ und beschäftigen sich mit Dingen, die sie stärken. Dabei wird auch mit der universellen Parabel von der Palme gearbeitet. Diese leidet unter der Last eines Steins – trotzdem gedeiht sie durch das Wasser in ihren Wurzeln.

Im zweiten Teil geht es dann um Autonomie und die Gestaltung der eigenen Zukunft. Wo liegen die eigenen Talente? Was erwarten die Teilnehmenden im Leben? Wie können sie wirksam ihre Ziele erreichen?

Im Anschluss an das Forum organisieren sich Frauen und Jugendliche in Gruppen, begleitet durch SEVOTA. Die Jugendlichen präsentieren außerdem die Inhalte des Forums in ihren Heimatorten. Dort als Kind einer vergewaltigten Mutter offen zu sprechen, ist ein entscheidender Schritt, der Stigmatisierung und Ausgrenzung beenden kann.

„In der Gruppe zeigte uns SEVOTA, wie wir mit Traurigkeit, Angst, Wut, Stress oder Scham besser umgehen können. Wir packten einen imaginären Koffer mit Dingen, die uns helfen, wenn wir verzweifelt sind. Ich habe ein Radio eingepackt, weil ich Musik liebe und einen Fußball, weil mir Bewegung Spaß macht.“

 

Schwerpunktregion Zentralafrika

Die Region der Großen Seen in Zentralafrika ist von bewaffneten Konflikten geprägt. 1994 gingen die Bilder des grausamen Genozids in Ruanda um die Welt. Ebenso verheerend, von der Öffentlichkeit aber weitgehend unbeachtet, tobten die Bürgerkriege in der Demokratischen Republik (DR) Kongo, in Burundi und Uganda. Bis heute flammen immer wieder Konflikte auf.

Der jahrelange Ausnahmezustand hatte nicht nur wirtschaftliche Folgen, die sich in großer Armut vieler Menschen äußert. Auch der soziale Zusammenhalt sowie Werte und Normen wurden zerrüttet. Insbesondere Frauen und Mädchen sind allgegenwärtig von sexualisierter Gewalt bedroht – ob zuhause, wie es eher auf Ruanda zutrifft, oder auf den Straßen und Feldern, was in der DR Kongo ein großes Problem ist.

Einige Staaten haben offiziell erklärt, geschlechtsspezifische Gewalt bekämpfen zu wollen. Besonders in Ruanda ist sexualisierte Gewalt offiziell ein Politikum, doch es bleibt oft bei Worten. Die langfristige Unterstützung für Überlebende ist bis heute völlig unzureichend. Mit den Folgen müssen sie oft alleine zurechtkommen. Lokale Nichtregierungsorganisationen wie SEVOTA versuchen mit begrenzten Mitteln diese Lücke zu füllen.

 

 

Unterstützen Sie Frauen und Mädchen wie Olivia mit Ihrer Spende

Mit einem Beitrag von 150 Euro kann ein Kind ein Jugendforum besuchen und an innerer Stärke gewinnen. Zwölf Organisationen in Zentralafrika können aktuell mit unserer Unterstützung Projekte umsetzen. Spenden Sie heute und geben Sie weltweit Frauen eine neue Chance. Danke!

„Im Jugendforum konnten wir zum ersten Mal frei und ohne Scham sprechen. Es war eine unglaubliche Erleichterung. Ich verstehe meine Mutter jetzt endlich besser, weil ich weiß, was sie durchgemacht hat.“


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