m-journal 2-2007
„Wenn es wieder anfängt, atme ich tief durch.“
Wissenschaftliche Studie untersucht Wirksamkeit von Beratungsgruppen in Albanien

Eine Beratungsgruppe von Frauen aus dem Armen-Stadtteil Kinostudio mit der Psychiaterin Anila Harshova (re.) von Medica Tirana .· Foto: © Gesa Plester
Seit mehreren Jahren bietet Medica Tirana psychosoziale Beratungsgruppen für traumatisierte Frauen in der Hauptstadt Albaniens an. Erstmals konnten die positiven Effekte der Beratungsgruppen jetzt wissenschaftlich belegt werden.
„Anfangs waren die Frauen sehr schüchtern und haben wenig erzählt. Doch mittlerweile hat sich herumgesprochen, wozu die Beratungsgruppen gut sind. Die Frauen sind offener geworden und bringen auch ihre Freundinnen und Nachbarinnen mit ins Zentrum“, erzählt Neta Lohja, die Projektleiterin von Medica Tirana. Neben anderen Angeboten wurde auch ein Konzept für die Beratungsgruppen entwickelt, dass seit mehreren Jahren erfolgreich umgesetzt wird. Die Frauen, häufig betroffen von jahrelanger häuslicher Gewalt oder belastenden Erfahrungen während des kommunistischen Regimes, treffen sich drei Monate lang wöchentlich in einer festen Gruppe. Viele Frauen haben hier erstmals die Möglichkeit, über traumatische Erlebnisse zu sprechen. Die Gruppenleiterinnen beobachten, wie sich die Frauen im Laufe der Beratung verändern. Sie nehmen zunehmend aktiver an den Gruppensitzungen teil, machen Pläne für ihre Zukunft, und berichten seltener von Schlafstörungen, Alpträumen oder Panikattacken – Symptome, über die viele Frauen anfangs klagen. Und sie erkennen die Gründe für ihre Probleme: „Ich konnte und wollte nicht aus dem Haus gehen. Leute auf der Straße sehen – das hat mich in Panik versetzt. Und erst im Bus Schweiß zu riechen – mir wurde dann immer eiskalt und übel: Ich musste raus. Jetzt weiß ich, woher das kommt. Wenn es wieder anfängt, atme ich tief durch und stell mir was Schönes vor. Das hilft“, so eine Klientin.
Die positiven Effekte der Gruppenberatungen wurden nun erstmals im Rahmen einer psychologischen Diplomarbeit auch wissenschaftlich belegt. Die Ergebnisse machen deutlich, wie wichtig die Arbeit von Medica Tirana ist. Vor der Teilnahme an den Gruppensitzungen waren viele der Frauen stark belastet. Beispielsweise erlebten vor der Gruppenberatung 74 % der Frauen in hohem Grad Symptome wie Schlafstörungen, Flashbacks, Schreckhaftigkeit oder Panikattacken. Nach Teilnahme an den Treffen berichteten deutlich weniger Frauen – ca. 39 % – von solchen Symptomen.
Besonders erfreulich ist, dass auch das Anliegen Medica Tiranas, die Frauen für ihre Rechte zu sensibilisieren und ihr Selbstbewusstsein zu stärken, offenbar erreicht wird. Nach der Gruppenteilnahme berichten zum Beispiel deutlich mehr Frauen, dass sie sich für ihre eigenen Bedürfnisse einsetzen, an sich selbst positive Eigenschaften wahrnehmen oder über wichtige soziale Kontakte außerhalb ihrer Familien verfügen.
Bei Interesse an der Untersuchung
wenden Sie sich an die Autorin der
Studie, Dipl.-Psychologin
Gesa Plester.
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© medica mondiale e.V. · 02.10.2007



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