m-journal 2-2007
Willkommen in Fishtown
Internationaler Frauentag 2007: medica mondiale Liberia tritt an bei einer Kampagne gegen
Gewalt an Frauen – in der Mitte Projektleiterin Chipo Gift Muponisi · Foto: © Sybille FezerAnfang Juli war es soweit: Kristina Leipoldt packte ihren Rucksack und reiste nach Liberia ein. Die 28-jährige Ethnologin und Soziologin, bereits erfahren durch einen Einsatz als Gutachterin für die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit in Sri Lanka, wird die Kolleginnen von medica mondiale Liberia für vier Monate als Projektassistentin unterstützen. Ihre Aufgabe: das lokale Team im Projektmanagement und beim Verfassen von Projektberichten fortzubilden. In einem Brief schildert sie uns ihre Eindrücke von ihren ersten Tagen in Fishtown.
„Fühl dich zuhause.Willkommen in Fishtown, Kristina.“ Überall hängen Schilder, an Wänden, über Türen, an Fenstern. Fishtown, Distrikt River Gee, ein kleines Dorf im Südosten Liberias, mein Zuhause für die nächsten vier Monate.
Eineinhalb Tage hat es gedauert, bis ich am frühen Freitagmittag mit Jowah, dem Fahrer von medica mondiale Liberia, von Monrovia aus den Projektort erreiche. Stundenlang sind wir über rote Schlammpisten durch den liberianischen Urwald gefahren. Gelegentlich hat Jowah in das dichte Grün gezeigt und erklärt, dass an jener Stelle eine der größten Städte vor dem Krieg gewesen sei. Heute starre ich in ein Blätterdickicht, das weder Häuser-Ruinen noch sonst Zeichen einstiger Zivilisation preisgibt. Einmal hat Jowah in das Dickicht auf einen Trampelpfad gedeutet, dort gehe es nach Somalia. Als ich einwende, dass es bis nach Ostafrika doch ein bisschen weit sei, erklärt er mir, dass dies der Name für eine der illegalen Diamantenminen sei. Dort würden die Menschen sterben wie die Fliegen – wie in Somalia eben.

Die Beraterin Florida Clarke und Kristina Leipoldt (re.) · Foto: © medica mondiale
Dann fahren wir auf Fishtown zu: Erst nur ein kleiner Pfad, dann lichtet sich der Dschungel und wir sehen eine Ansammlung von Hütten. Äthiopische Blauhelme der UN salutieren, als wir den Eingang zu Fishtown passieren. Anita Varney, eine Mitarbeiterin von medica mondiale Liberia nimmt mich in die Arme – ganz so als wäre ich nur wenige Wochen weg gewesen. „Willkommen in Fishtown – wir haben weder Fisch noch sind wir eine Stadt“, meint Florida Clarke, Beraterin und Trainerin von medica mondiale Liberia. Sie grinst mich an und nimmt mich mit auf den Weg zur Hebammen-Fortbildung, wo ich von singenden und tanzenden Frauen begrüßt werde. Und wieder: „Willkommen in Fishtown!“ Ok, es gibt keinen Fisch und auch die Stadt befindet sich noch in ihren Kinderschuhen, aber ich sehe Leben auf der Straße, viele kleine Geschäfte und einen Haufen lachender Frauen bei der Fortbildung von medica mondiale Liberia.Während mir noch der Kopf schwirrt von den herzlichen Begrüßungen der Hebammen geht es auch schon weiter zum Gästehaus von medica mondiale Liberia. „Für morgen haben wir den Umzug geplant. Das alte Haus steht während der Regenzeit schnell unter Wasser – jetzt ziehen wir auf den Hügel“, klärt mich Florida auf.
Das Wochenende verbringe ich damit, zusammen mit Jowah notdürftig neue Elektrikkabel im frisch bezogenen Gästehaus zu legen, damit ich wenigstens ein paar Stunden Licht am Abend habe. Am Montag dann mein erster Arbeitstag in Fishtown. Die MitarbeiterInnen von medica mondiale Liberia, sechs Frauen und fünf Männer, kommen alle zusammen, um die Aufgaben für die kommende Woche zu besprechen. Viele von ihnen wollen in die Hauptstadt Monrovia fahren, um den Unabhängigkeitstag mit ihren Familienangehörigen zu feiern. Einige werden in Fishtown bleiben, um den Frauen und Mädchen auch während der Feiertage Unterstützung anzubieten.
„Die Gemeinde ist sehr froh, dass medica mondiale Liberia hier ist. Es ist für die Frauen und Mädchen sehr viel sicherer geworden. Sie kennen ihre Rechte nun ein wenig besser und wissen, dass Vergewaltigung ein Verbrechen ist.“ Angeline Pajivo Swen, die Rechtsberaterin von medica mondiale Liberia, kommt aus Monrovia – auch sie fühlt sich inzwischen in Fishtown sehr viel mehr zu Hause und schließt sich meinem Urteil an: „Willkommen in Fishtown, ich bin froh, hier zu sein!“
Helfen Sie uns mit Ihrer
Spende bei der Unterstützung von Frauen in Kriegs- und Krisengebieten in aller Welt!
© medica mondiale e.V. · 02.10.2007



Eigene