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m-journal 1-2007

Umfassende Hilfe angesichts furchtbarer Gewalt

   Fotos(2): © U. Meissner

Ein Krankenhaus im Ostkongo. Es riecht nach Fäkalien. Hunderte von Frauen liegen auf den Gängen, auf notdürftig zusammengeflickten Tragen. Manche Frauen waren tagelang unterwegs. Oft schmerzt jeder Schritt. Denn sie gehören zu den Zigtausenden Frauen, die während des Kongo-Krieges – und noch jetzt! – gefoltert und vergewaltigt wurden. medica mondiale hilft in Kooperation mit der kongolesischen Frauenorganisation PAIF.

Offiziell herrscht »Frieden« im Kongo; mit dem 35-jährigen Präsidenten Joseph Kabila ist eine demokratisch gewählte Regierung im Amt. Doch vielerorts flammen die Kämpfe wieder auf. Vor allem im Ostkongo liefern sich aus Ruanda geflohene Hutu-Milizen, das kongolesische Militär, Splittergruppen der lokalen Armee und die Bürgerwehren der Mayi Mayi erbitterte Kämpfe um Rohstoffe, Dörfer und Territorien.

Die Folgen sind grausam und die Zahlen der sexuellen Übergriffe so ungeheuerlich hoch – die Schätzungen reichen von 40.000 bis zu einer Viertelmillion – dass laut Newsweek-Magazin¹ lange niemand so recht glauben wollte, was kongolesische ÄrztInnen erzählten: Die Frauen kommen mit verschiedensten schweren durch Folter verursachten Verletzungen – und vor allem mit Fisteln, das sind Risse zwischen Vagina, Blase und Darm.

Die Rebellen, so die Berichte, schießen Frauen so in den Unterleib, dass diese zwar nicht daran sterben, wohl aber den Rest ihres Lebens verstümmelt bleiben. Ein Signal an die Gegner: „Ihr seid nicht einmal fähig, eure Mädchen und Frauen zu schützen!“ Die Folgen sind verheerend: Tausende Kongolesinnen sind schwerstverletzt, traumatisiert, nicht mehr fähig, zu arbeiten oder sich um ihre Familie zu kümmern. Und:Weil sie inkontinent sind und demzufolge nach Urin riechen, werden sie sozial geächtet.

Schwerpunkt der Aktivitäten von medica mondiale

Seit 2004 unterstützt medica mondiale die Frauenorganisation PAIF (Promotion et Appui aux Initiatives Féminines) – finanziert über Spenden und durch den Weltgebetstag der Frauen. Seitdem hat die kleine Frauenorganisation mit Sitz in Goma, Ostkongo, rund 120 Frauen medizinische Versorgung ermöglicht, die Selbsthilfegruppe „Faraja“ (= Trost) mit über 80 Überlebenden gegründet und über 160 Kleinstkredite an Frauen vergeben. 2007 nun will medica mondiale die Kooperation weiter ausbauen – denn Tausende von Frauen sind noch ohne jegliche Unterstützung.

Geplant sind die medizinische Behandlung von Überlebenden sexualisierter Gewalt, weitere Selbsthilfegruppen, Kleinstkredite für Frauen, die Brot oder Saft herstellen und auf den Märkten verkaufen wollen, für eine Ziege, ein Huhn oder Saatgut. PAIF
plant, ein Beratungs- und Ausbildungszentrum für Überlebende aufzubauen – auch das möchte medica mondiale unterstützen. Damit soll die Hilfe für kongolesische Frauen ein Schwerpunkt der Aktivitäten von medica mondiale werden.

Doch dazu gehört ebenso: „Wir müssen auch dafür kämpfen, dass die Täter bestraft werden“, so Immaculée Birhaheka, Gründerin von PAIF. Sie dokumentiert akribisch jeden „Fall“, der bei PAIF anklopft – und hat dafür schon bitter bezahlen müssen: mit Gefängnis, Folter, permanenten Drohungen. Für ihren Einsatz wurde sie im Jahr 2000 mit dem Martin Ennals Award for Human Rights Defenders (MEA) ausgezeichnet, der am höchsten angesehenen Auszeichnung der internationalen
Menschenrechtsbewegung.

Dieses politische Engagement soll natürlich auch ein Teil der Kooperation mit medica mondiale sein: „Wir werden aufklären und anprangern – in wöchentlichen Radioprogrammen, in der Zeitung; wir werden ‚Gerechtigkeitsbrigaden‘ trainieren, Fälle dokumentieren und diese weitergeben – bis zum Internationalen Strafgerichtshof.“ Immaculée Birhaheka möchte von medica mondiale neben finanzieller Unterstützung vor allem auch Weiterbildung für ihr Team in psychosozialer Beratung und der Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen.

¹ Newsweek, 13. November, 2006

 

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© medica mondiale e.V. ·  19.04.2007