m-journal 2-2006
„Wir brauchen mehr Fachpersonal, das sich mit dem Thema auskennt!“
Eindrücke einer Trauma-Schulung in Kabul von Karin Griese

Was sagt die Karte, die ich wähle, über mich selbst aus? Die Kartenübung gehört zu einer vielfältigen Reihe psychotherapeutischer Methoden während unserer Schulungen
6. Juli 2006, halb sieben Uhr morgens, Dubai Flughafen. In der Warteschlange zum Abflug nach Afghanistan erfahren meine Kollegin und ich, dass in den vorangegangen 48 Stunden vier Bombenattentate in Kabul verübt wurden. Mit einem Anruf bei der Leiterin des Kabuler medica mondiale-Büros vergewissern wir uns, ob wir wirklich einreisen sollen. Ja, die Lage sei nicht viel anders als sonst.Wir besteigen mit gemischten Gefühlen das Flugzeug.
Seit 2002 bietet medica mondiale in Afghanistan Schulungen zur Arbeit mit traumatisierten Frauen für unterschiedliche Berufsgruppen an. Im März starteten Monika Hauser und ich ein neues Modell-Schulungsprogramm für Ärztinnen, Hebammen und Krankenschwestern aus sechs Kabuler Krankenhäusern. Diesmal werden meine Co-Trainerin Sybille Manneschmidt und ich von den Teilnehmerinnen erwartungsvoll empfangen – zum Glück kann die Schulung unbehelligt von den zunehmenden Unruhen auf den Straßen stattfinden.
In sechs Einheiten à drei Tagen werden insgesamt 33 Frauen geschult. Ziel ist es, dass die Teilnehmerinnen von Gewalt betroffene Patientinnen so behandeln und beraten, dass diese sich stabilisieren können. Danach werden sie bei der Umsetzung des Gelernten von Exilärztinnen aus Deutschland unterstützt, die seit 2002 jedes Jahr in afghanischen Krankenhäusern mit traumatisierten Patientinnen arbeiten.
Eine Frage beschäftigt mich am Anfang sehr: Macht ein Seminar zum Thema Gewalt und Trauma überhaupt Sinn angesichts dieser politischen Lage?
Die afghanische Koordinatorin des Programms, Wahida Mohammadzai, findet sofort eine Antwort: Ja, auf jeden Fall. Denn die Frauen brauchen gerade jetzt, wo die Taliban wieder stärker werden, unsere Unterstützung.
Begleitend zu den Seminaren bauen wir mit den Teilnehmerinnen ein Netzwerk zum Thema „Gewalt gegen Frauen“ auf. Es soll engagierten Frauen auch zukünftig den Rücken stärken und dazu beitragen, die Einhaltung von Frauenrechten in afghanischen Krankenhäusern zu gewährleisten.
Dr. Mohtarama arbeitet als Oberärztin
in der Kinder-Abteilung des
Maywand Krankenhauses in Kabul.
Was war für Sie bisher besonders wichtig in den Seminaren von medica mondiale?
Alles war sehr interessant. Aber wesentlich war für mich, mehr über das Thema Gewalt gegen Frauen und speziell auch sexualisierte Gewalt gegen Frauen zu erfahren. Wir hatten früher keine Ahnung, warum die Frauen sich zum Teil von ihren Familien entfernt haben – jetzt verstehen wir das.
Wir brauchen auf jeden Fall mehr Fachpersonal, das sich mit dem Thema auskennt.
Die Trainerinnen: Karin Griese ist
Fachreferentin für Trauma-Arbeit bei medica mondiale, Dr. Sybille Manneschmidt
ist die Leiterin der Psychosozialen
Abteilung von medica
mondiale in Kabul. Mehr zum medicamondiale-Konzept der Traumaarbeit
finden Sie unter
www.medicamondiale.org/trauma/
* Dieses Projekt wird zum Teil aus Mitteln von Zivik (Förderprogramm Zivile Konfliktbearbeitung) und InWEnt gGmbH finanziert.
Helfen Sie uns mit Ihrer
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© medica mondiale e.V. · 06.10.2006



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