m-journal 2-2006
Neues im Mordfall Nadja Anjoman
Im November 2005 berichteten wir über den gewaltsamen Tod von Nadja Anjoman. Die 25-jährige Dichterin aus Herat wurde von ihrem Ehemann im Streit erschlagen. Er wurde nun nach fünfmonatiger Untersuchungshaft freigesprochen und kehrte zu seiner Arbeit als Universitätsprofessor zurück.
Die darauf hin von den Mitarbeiterinnen von medica mondiale Afghanistan angestellten Nachforschungen ergaben eindeutige Hinweise auf Korruption und ein Versagen der Justiz. So verschwand beispielsweise während der gerichtlichen Untersuchung der erste Autopsiebericht, nach dem Nadja bereits eine Stunde tot war, als sie ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Der jetzt vorliegende Bericht „bescheinigt“ nunmehr ihren Tod im Krankenhaus durch Herzinfarkt.
medica mondiale besuchte auch die Familie Anjoman, deren Mitglieder unter Tränen von der ermordeten Tochter erzählten. Gesellschaftliche wie geistliche Vertreter hatten Nadjas Eltern zunächst unter enormen Druck gesetzt, ihrem Schwiegersohn den Mord an ihrer Tochter zu vergeben und die Sühne den staatlichen Organen zu überlassen. Familie Anjoman beugte sich den Forderungen, denn es war ihnen zugesichert worden, die Staatsanwaltschaft würde Nadjas Ehemann für den Mord ins Gefängnis bringen. Das Gegenteil geschah. Noch immer wartet die Familie auf Gerechtigkeit, denn, so die Anjomans, „ohne Gerechtigkeit ist unser Leben sinnlos.“
medica mondiale wird in den nächsten Wochen dafür sorgen, dass der Fall erneut vor Gericht kommt. Eine Anwältin wird sich gänzlich diesem Fall widmen. Denn es gibt viele Frauen wie Nadja in Afghanistan, und dieser Fall offenbart exemplarisch das Versagen des afghanischen Rechtssystems, in dem Verbrechen an Frauen ungesühnt bleiben. Die Signalwirkung solcher Straffreiheit ist verheerend: Sie zementiert erst weitere Gewalt gegen Frauen und erlaubt den Tätern, unbehelligt in der Gemeinschaft weiterzuleben.
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© medica mondiale e.V. · 20.09.2006



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