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m-journal 2-2006

Honig „Made in Kosova“

Kosovarische Frauen stehen hinter ihren Bienenstöcken von Chantal Louis

„Made in Kosova“ muss auf dem Honig-Etikett stehen, so viel ist klar, und attraktiv muss es aussehen, das Etikett. „Und es muss die Besonderheit dieses Honigs hervorheben!“ Maria Kuenzer schmiedet Pläne. Außerdem hat die Landesbäuerin der „Südtiroler Bäuerinnenorganisation“ wertvolle Tipps für ihre kosovarischen Kolleginnen parat, bei denen sie heute zu Besuch ist. „Ihr müsst ihn noch mindestens einmal durchsieben, wenn ihr ihn ins Ausland verkaufen wollt. Sonst ist er nicht Handelsklasse eins.“ Die Dolmetscherin übersetzt, Nicken in der Bäuerinnenrunde.

Er ist wirklich etwas Besonderes, dieser Honig. Nicht nur, weil er aus allen Frühlingsblumen dieser grünen Hügel zwischen Gjakova und der albanischen Grenze gemacht ist. Sondern vor allem, weil er vom neunköpfigen Frauen-Kollektiv des Dorfes Shishmon produziert wurde. Durch die Unterstützung von medica Kosova haben diese Frauen (und Frauengruppen in sieben weiteren Dörfern) zum ersten Mal seit Ende des Kosovo-Krieges wieder ein Einkommen. Und zum ersten Mal in ihrem Leben ein eigenes. Maria Kuenzer und drei Kolleginnen sind nun hierhergekommen, um sich dieses Imkerinnen-Projekt und weitere vor Ort anzusehen. Mit den Berichten und Fotos wollen sie zu Hause in Südtirol um finanzielle Unterstützung des Projektes durch ihren 14.000-köpfigen Verband werben.

Gräberfeld in Kosova
Hoffnung für die Witwen in Kosova: Die Trauer um ihre Männer, Söhne und andere Familienangehörige ist zwar allgegenwärtig – sichtbar zum Beispiel durch die stets bunt geschmückten Gräber an den Straßenrändern. Doch der Aufbau einer eigenen Existenz als Bäuerin gibt Perspektive und stärkt.

Jede der neun Frauen, die in diesem kahlen Betonraum auf einem bunten Sitzkissen hockt, ist Witwe. Ihr Dorf Shishmon liegt an der „Straße des Todes“, die von Massengräbern gesäumt ist. Im Sommer 1999 zogen serbische Truppen diese Straße entlang, zerstörten die Dörfer und ermordeten die Männer. Was sie den Frauen antaten, blieb deren Geheimnis, bis medica Kosova mit der Mobilen Gynäkologie-Ambulanz in die Dörfer kam, Gesprächskreise gründete und half, die traumatisierten Frauen langsam wieder zu stabilisieren.

„Und jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo sie in der Lage sind, sich und ihren Kindern eine Existenz aufzubauen“, erklärt medica Kosova-Beraterin Nesrete Zeka.

Existenzgrundlage geschaffen

In acht Dörfern hat medica Kosova – mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung – seit Herbst 2005 rund 90 Witwen die Grundlage für eine landwirtschaftliche Existenz verschafft:

Bienenstöcke, Kühe oder Traktoren. Kosovarische Bäuerinnen vor ihrem TraktorSo macht gerade ein paar Kilometer weiter die Bäuerin Shpresa H. ganz in schwarz und sehr stolz auf ihrem Traktor im Dorf Mulliq das erste Heu für ihr Frauen-Kollektiv. Und noch ein Dorf weiter präsentieren sechs junge Frauen in Witwentracht, denen der Ehrenkodex verbietet, jemals wieder zu heiraten, den Tiroler Bäuerinnen ihre neuen Kühe. Und wieder werden große Pläne geschmiedet. „Wie wäre es zum Beispiel, wenn das Bäuerinnen-Kollektiv die Milch für die Käse-Fabrik oder Molkerei in Peja liefern würde?“ Allen Anwesenden ist klar: An der „Straße des Todes“ fangen gerade 90 Frauen ein neues Leben an.


Die Autorin, Chantal Louis, ist freie Journalistin und besuchte im Sommer gemeinsam mit den Südtiroler Bäuerinnen und Monika Hauser medica Kosova.

Dieses Projekt und die Organisation medica Kosova werden derzeit unterstützt von der Gemeinde Laas/Südtirol, dem Weltgebetstag der Frauen, der Stiftung Pour et Avec Autres, dem BMZ und dem Rotary-Club Südtirol, der Monika Hauser seinen diesjährigen Preis verliehen hat.

 

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© medica mondiale e.V. ·  13.02.2007