m-journal 1-2006
Zwei Tage für 24 Kilometer – Trotz extremer Bedingungen erfolgreicher medizinischer Einsatz in Norduganda
„Wir haben es geschafft!“, seufzt Dr. Eugene Kinyanda von der ugandischen Frauenorganisation ISIS-WICCE erleichtert. Er hat allen Grund zur Freude. Denn der von medica mondiale finanzierte Einsatz von 40 ÄrztInnen in der Region Kitgum in Uganda war schwierig – und er war gefährlich. Immer wieder werden hier MitarbeiterInnen von Hilfsorganisationen getötet.
Nur mit Armee-Eskorte in die Flüchtlingslager
Auch die MedizinerInnen des medica mondiale-Einsatzes konnten nur mit einer bewaffneten Armee-Eskorte in die Flüchtlingscamps Mucwini und Padibe in Norduganda gelangen. „Andernfalls hätten wir die Aktion nicht durchführen können“, so Kinyanda. „Aufgrund der Sicherheitslage und der schlechten Infrastruktur vor Ort konnten wir leider auch nicht so viele Behandlungen durchführen wie ursprünglich geplant. Allein für den Transport der 98 Menschen nach Kitgum per LKW, die dringend dort operiert werden mussten, brauchten wir zwei Tage – obwohl es nur 24 Kilometer sind!“
In der Krisenregion im Norden Ugandas kommt es immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der Rebellentruppe „Lord Resistance Army“ und der staatlichen Armee. Überfälle auf Dörfer, Vergewaltigungen, die Versklavung von Jungen und Mädchen zu Kindersoldatinnen – nach wie vor gibt es in der Region keine Sicherheit für die Menschen – besonders nicht für Frauen und Mädchen.
Binnen zwei Wochen arbeiteten 40 GynäkologInnen, PsychologInnen, AllgemeinmedizinerInnen, ChirurgInnen, KinderpsychiaterInnen und Krankenschwestern fieberhaft für ihre Patientinnen. 619 Frauen und 174 Kinder waren es, die so Hilfe fanden. In den beiden Flüchtlingscamps leben insgesamt 45.000 Menschen. Für viele der Patientinnen war es die erste medizinische Behandlung überhaupt.
Katastrophale Zustände in Flüchtlingslagern
Die ÄrztInnen fanden in den Flüchtlingslagern Padibe und Mucwini katastrophale Bedingungen vor: „Die Menschen leben hier auf engstem Raum miteinander, nachts kommt es immer wieder zu Angriffen. Es gibt keinen Strom, kaum Medikamente, verschmutztes Wasser und oft nur wenig zu essen. Fast alle sind krank – viele haben mehrere Erkrankungen gleichzeitig“, so Dr. Kinyanda. „Sie leiden an Malaria und den Folgen von Mangelernährung. Viele sind HIV-positiv oder bereits an AIDS erkrankt.“ 66 Prozent der behandelten Frauen und Mädchen leiden unter gynäkologischen Erkrankungen – viele als Folge von Vergewaltigung und sexueller Folter: „Die Frauen haben schwere Entzündungen, viele leiden unter schweren genitalen Verletzungen als Folge von brutalen Vergewaltigungen, und viele Frauen haben auch Gebärmutterhalskrebs. Wir haben sie so gut wir konnten behandelt, einige Frauen mussten wir auch operieren.“
Intensive Vorbereitung sicherte Erfolg
Vor ihrem Einsatz haben 44 Mitarbeiterinnen der Frauenorganisation Kiwepi und des Regionalkrankenhauses in Kitgum den Einsatz der ÄrztInnen logistisch vorbereitet. Alle wurden von ugandischen Fachkräften auch im traumasensiblen Umgang mit ihren Patientinnen geschult. Die Mitarbeiterinnen von Kiwepi werden auch in Zukunft wichtige Kontaktpersonen für die Frauen und Kinder in den Flüchtlingscamps sein.
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© medica mondiale e.V. · 20.09.2006



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