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m-journal 1-2006

Indonesische Frauen während der Fortbildung bei einer Gruppenaufgabe„Die Tür von innen öffnen“

Ein Jahr nach dem Tsunami ist bei unserer Partnerorganisation Flower Aceh ein weiterer Schritt zur nachhaltigen Unterstützung gemacht: Im Auftrag von medica mondiale bildete die erfahrene Trauma-Therapeutin Gerhilt Haak im Dezember 46 MitarbeiterInnen von Flower Aceh fort. Flower Aceh unterstützt seit Jahren kriegstraumatisierte Frauen in der Krisenregion Aceh.

Dank der Spenden unserer UnterstützerInnen – insbesondere der MitarbeiterInnen der Allianz AG – konnten wir in den ersten beiden Dezemberwochen des vergangenen Jahres die Fortbildung realisieren. An einem ruhigen Ort außerhalb von Banda Aceh kamen 46 MitarbeiterInnen von Flower Aceh zusammen. Sie alle haben selbst Schreckliches erlebt – diese Fortbildung bedeutete für sie auch eine Woche ohne Sorgen, ohne ständig konfrontiert zu sein mit Zerstörung, militärischen Übergriffen, Hunger, ungerechter Verteilung der Hilfslieferungen und vielen traumatisierten Menschen, die oft alles verloren haben außer dem eigenen Leben.

Stellvertretende Traumatisierung (Sekundärtraumatisierung)

Bei HelferInnen und Angehörigen, die einen intensiven und empathischen Bezug zu traumatisierten Menschen haben, kann es zu einer so genannten Stellvertretenden Traumatisierung oder auch Sekundärtraumatisierung kommen. Durch die fortgesetzte Konfrontation mit dem Leid der Opfer und ihre intensiven Reaktionen darauf erleben sie sich als ohnmächtig oder unfähig und sie beginnen, den Glauben an den Sinn und Erfolg ihres Tuns zu verlieren. Ihr Selbst- und Weltbild wird verändert und erschüttert und sie können selbst Traumasymptome entwickeln.

Den Körper wieder spüren

Indonesische Frauen zeigen einen SitztanzInhalt der Fortbildung waren die Einführung in die Theorie und Praxis von Trauma-Arbeit und der Umgang mit eigener, stellvertretender Traumatisierung und burn-out. Dazu kamen Körperübungen, Rollenspiele, kurze Meditationen und Phantasiereisen. Auf diese Weise lernten die TeilnehmerInnen, sich zu erden, ihre Körper wieder zu spüren und auch vorsichtig ihren Gefühlen wieder Raum geben zu können. Eines der obersten Lernziele: Alle Übungen sollten sie für sich selber, aber auch in der Arbeit mit KlientInnen anwenden können.

Lebhaft sammelten die TeilnehmerInnen Ideen dazu, was Flower Aceh als Organisation tun kann, um die MitarbeiterInnen zu stärken. Neben vielen praktischen Ideen für die Umsetzung vor Ort steht auch ein zweiter Workshop ganz oben auf der Agenda. „Wir möchten weiter an dem arbeiten, was wir hier begonnen haben. Denn wir wollen zusammen sehen, was in der Praxis umsetzbar ist oder was wir anders machen müssen“, so eine der Teilnehmerinnen.

Die Ressourcen sind der Schlüssel

Gerhilt Haak zur Herausforderung, Menschen zu begegnen, die jede Hoffnung aufgegeben haben: „Als HelferInnen müssen wir auch akzeptieren lernen, dass wir nicht immer helfen können. Die Tür kann nur von innen geöffnet werden, viele wissen allerdings nicht, wie sie den Schlüssel finden können. Wir können versuchen herauszufinden, wo eventuell verborgene Ressourcen stecken – kleine Dinge, ein Sonnenstrahl, einen Geruch wieder bemerken – also die Suche nach dem Schlüssel unterstützen. Ganz wichtig: Wir können der Klientin dadurch wieder Eigenmacht geben, dass wir sie informieren und ihr Wissen vermitteln über das Trauma und seine Auswirkungen.“

 

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© medica mondiale e.V. ·  11.10.2006