m-journal 2-2005
Menschenrechtspolitik:
Frauen als Verliererinnen oder der „20-Minuten-Krieg“
Als hätte der jahrzehntelange Bürgerkrieg in Sri Lanka und der Konflikt in Aceh den Frauen nicht schon genug Gewalt und Zerstörung gebracht, erfasste am 26. Dezember 2004 ein starkes Seebeben mehrere Küstenregionen rund um den Indischen Ozean. Über 40.000 Menschen in Sri Lanka wurden im dem so genannten „20 Minuten Krieg“ getötet, 30.000 verletzt und 400.000 Menschen vertrieben. Die Zahl der dabei getöteten Frauen überstieg die der Männer um ein Vielfaches. Neben den tödlichen Folgen von Verletzungen mussten Frauen während der Rettungs- und Wiederaufbauarbeiten sexualisierte Übergriffe bis hin zu Vergewaltigungen erleben – begangen auch von Männern, die als Helfer gekommen waren.
Frauengerechte Arbeitsrichtlinien in die Katastrophenhilfe – so lautete die Forderung von Monika Hauser und Sabine Eckardt von medico international anlässlich eines gemeinsamen Treffens Mitte Mai mit der Bundesministerin für Entwicklung und Wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ), Heidemarie Wieczorek-Zeul. Im Vordergrund des Gespräches stand der Mangel frauenfreundlicher Arbeitsrichtlinien in der Not- und Wiederaufbauhilfe für Südostasien, der der (sexualisierten) Gewalt an Frauen Vorschub leistet, da er der Lebensrealität von Frauen keine Rechnung trägt. Aber auch die notwendige Sensibilisierung von Fachpersonal für Folgen und Umgang mit geschlechtsspezifischer Gewalt wurde thematisiert.
In einem gemeinsamen Brief an die PolitikerInnen hatten beide Organisationen diese Forderungen bereits vehement geäußert. Das Ziel: Die schwierige Situation von Frauen darf in keinem Krisengebiet weiter durch eine falsche Herangehensweise der Helfer verschärft werden.
Geld und Entscheidungsmacht für Frauen
Die Tatsache, dass regionale Frauenorganisationen, welche die Situation von Frauen in Katastrophengebieten genau kennen, nicht ausdrücklich in die Verhandlungen um die Vergabe von internationalen Hilfsgeldern einbezogen werden, war einer der Kritikpunkte an die deutsche Geberseite.
Die Ministerin zeigte sich sehr offen und setzte sich dafür ein, dass Frauen von den Hilfsgeldern direkten Nutzen haben: Sie veranlasste ein Treffen zwischen einem Vertreter des BMZ und der Frauendachorganisation CATAW in Sri Lanka. Konkret wurden von CATAW eigene Finanz-Fonds für Frauen, der Einsatz von weiblichen Lagerverantwortlichen und die Beteiligung von Frauen an Entscheidungen innerhalb der Hilfsmaßnahmen vorgeschlagen. Darüber hinaus stellte die Ministerin eine von medica mondiale geforderte Auswertung frauenspezifischer Standards bei deutschen Organisationen für das Jahr 2006 in Aussicht.
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© medica mondiale e.V. · 20.09.2006



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