Auch 2014 bietet medica mondiale aufgrund der hohen Nachfrage ein Fortbildungsprogramm zum Thema Kriegsgewalt und Traumatisierung an. In einführenden und vertiefenden Workshops möchte medica mondiale die Kompetenz all jener erweitern, die in ihrem Arbeitsfeld oder in ihrer Ausbildung traumatisierte Frauen und Mädchen aus Kriegs- und Krisengebieten unterstützen wollen – sei es vor Ort oder in Deutschland.
Die Fortbildungen bestehen aus einführenden und praxisorientierten Seminaren, jeweils mit praktischen Beispielen aus der Arbeit von medica mondiale in Bosnien-Herzegovina, im Kosovo, in Afghanistan, Liberia oder der Demokratischen Republik Kongo. 

Zielgruppen:
Die Fortbildungen richten sich unter anderem an Fachkräfte – Frauen und Männer – die in der humanitären und der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit tätig sind oder mit Flüchtlingen arbeiten, z.B. SozialarbeiterInnen, AnwältInnen, Gesundheitsfachkräfte und PsychologInnen, sowie an Studierende und Auszubildende.

Voraussetzungen: Die Fortbildungen A und B bauen aufeinander auf, können jedoch unabhängig voneinander besucht werden. Voraussetzung für die Teilnahme an Fortbildung C sind Grundkenntnisse der Psychotraumatologie.

Anmeldefrist: 15 Werktage vor Veranstaltungsbeginn. Danach ist eine Anmeldung nur auf Anfrage möglich.

A Einführende Fortbildung
Thema: Kriegsgewalt an Frauen – Hintergründe, Folgen, Unterstützung 

  • Welche unterschiedlichen Funktionen hat sexualisierte Gewalt im Krieg?
  • Was ist ein Psychotrauma?
  • Welche Unterstützungsmöglichkeiten gibt es für betroffene Frauen vor Ort und in Deutschland?
  • Was kann ich konkret in meinem Arbeitsbereich anwenden?
  • Welche Bedeutung hat der kulturelle Kontext für das Erleben und die Verarbeitung sexualisierter Gewalt?
Menschengruppe, Fish-Town, Liberia.
Seit 2006 engagiert sich medica mondiale im strukturschwachen Südosten Liberias.

Es werden aktuelle Erklärungsansätze zum Hintergrund, Ausmaß und Charakter von sexualisierter Kriegsgewalt vorgestellt und diskutiert. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten Einblick in die vielschichtigen Folgen dieser Form von Gewalt: für die Betroffenen selbst, für ihre Familien und Gemeinden und für die Nachkriegsgesellschaft als Ganzes.

Zielgruppe: Frauen und Männer, die sich in Beruf, Studium oder Ehrenamt mit Gewalt gegen Frauen und Mädchen in Kriegs- und Konfliktregionen auseinandersetzen 

Termin: 13.-14. Juni 2014 (A)
Zeit: Freitag, 11-19 Uhr und Samstag, 9-17 Uhr
Trainerin: Dr. Simone Lindorfer
Ort: mibeg-Institute, Sachsenring 37-39, 50677 Köln

B Praxisorientierte Fortbildung
Thema: Umgang mit den Folgen von Kriegsgewalt und Trauma 

  • Was sind individuelle, was sind kollektive Traumafolgen?
  • Wie wirkt sich Traumatisierung auf nachfolgende Generationen aus?
  • Wie kann ich Traumasymptome erkennen?
  • Wie kann ich im Rahmen meiner Möglichkeiten zu Sicherheit und Stabilisierung der Frauen beitragen?

Für Frauen und Mädchen, die sexualisierte Gewalt im Krieg überlebt haben, ist es essentiell, dass Fachkräfte sowie die Menschen in ihrem Umfeld wissen, wie sich traumatische Erfahrungen akut und auch langfristig auswirken. Durch die Vermittlung einer traumasensiblen Haltung lernen die TeilnehmerInnen, wie sie die Betroffenen – auch ohne therapeutische Kenntnisse – bei der Verarbeitung unterstützen können. Darüber hinaus werden Methoden zur Stressentlastung von Betroffenen und zur Vorbeugung von Retraumatisierung eingeübt, wie z.B. Stopp- oder Umleitungstechniken.

Zielgruppe: Frauen und Männer, die in ihrem Arbeitsfeld oder in ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit direkt mit betroffenen Frauen zu tun haben (z.B. Klientinnen, Patientinnen, Interviewpartnerinnen).

Termin: 22.-23. August 2014
Zeit: Freitag, 11-19 Uhr und Samstag, 9-17 Uhr
Trainerin: Maria Zemp
Ort: mibeg-Institute, Sachsenring 37-39, 50677 Köln

C Praxisorientierte Fortbildung
Thema: Förderung der Resilienz (Widerstandsfähigkeit) in Organisationen 

  • Wie wirkt sich die Trauma-Dynamik auf Teams oder Gruppen aus?
  • Wie können Maßnahmen zur Förderung von Resilienz, also der Widerstandsfähigkeit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, in die Personal- und Projektplanung einbezogen werden?
  • Wie kann ich so kommunizieren und handeln, dass MitarbeiterInnen und KollegInnen gestärkt werden?
  • Wie kann persönliches Wachstum nach einem traumatischen Erlebnis gefördert werden? 
Beratungsgespräch bei Medica Afghanistan. Copyright: Elissa Bogos/medica mondiale
Organisationen wie Medica Afghanistan, die Überlebende von Gewalt unterstützen, sind einer hohen Belastung ausgesetzt.

Organisationen, die Überlebende von Gewalt unterstützen, sind einer hohen Belastung ausgesetzt. Der Stresslevel bei den MitarbeiterInnen ist oftmals sehr hoch. Teamkonflikte und Überlastung häufen sich. In der Fortbildung werden Ansätze zur Förderung einer „achtsamen Organisationskultur" vorgestellt. Dabei geht es darum, sowohl die Resilienz der Gesamtorganisation als auch der einzelnen MitarbeiterInnen und Teams zu stärken. Die TeilnehmerInnen erfahren zudem, wie sie sich vor indirekter Traumatisierung und Burnout schützen können. 

Wichtiger Hinweis: Voraussetzungen für die Teilnahme an Fortbildung C sind die Teilnahme an Seminar B sowie Grundkenntnisse der Psychotraumatologie.

Zielgruppe: Fach- und Führungskräfte, die in ihrem Arbeitsfeld direkt mit betroffenen Frauen zu tun haben (z.B. Klientinnen, Patientinnen, Interviewpartnerinnen), oder indirekt im Rahmen von Projektplanung oder -organisation, Öffentlichkeitsarbeit etc.

Termin: 14.-15. November 2014
Zeit: Freitag, 11-19 Uhr und Samstag, 9-17 Uhr
Trainerin: Maria Zemp
Ort: mibeg-Institute, Sachsenring 37-39, 50677 Köln

Die Trainerinnen

Die Trainerinnen sind freie Mitarbeiterinnen und Beraterinnen von medica mondiale. Sie sind auf Traumafachberatung spezialisiert und greifen auf langjährige Arbeits- und Trainingserfahrung in Deutschland und in den Auslandsprojekten von medica mondiale zurück. Vor Ort schulen sie Fachkräfte und Aktivistinnen, die Frauen und Mädchen bei der Bewältigung ihrer traumatischen Erfahrungen unterstützen:

Dr. Simone Lindorfer, geb. 1969, Dipl.-Theologin, Dipl.-Psychologin, Systemische Familientherapeutin (DGSF), Schwerpunkt Traumatherapie, ehemalige Entwicklungshelferin, langjährige Erfahrungen mit traumatisierten Flüchtlingen und Folterüberlebenden in Deutschland und Österreich, freiberufliche Beraterin und Trainerin für psychosoziale Traumaarbeit u.a. auch für medica mondiale seit 2005.

Maria Zemp, geb. 1957, Krankenschwester, Heilpraktikerin, Körperpsychotherapie (ECP), Arbeit in eigener therapeutischer Praxis mit dem Schwerpunkt Traumaarbeit, Supervision und Fachfortbildungen, Autorin verschiedener Fachartikel, seit 2003 für medica mondiale regelmäßig als Trainerin von Gesundheitsfachkräften in Afghanistan tätig, seit Sommer 2009 auch in Liberia.

KooperationspartnerInnen

Die Fortbildungen sind als Zusatzmodul des Resilienz-Trainings (TRUST-RT®) der Deutschen Psychologen Akademie und des ID Instituts für Innovative Gesundheitskonzepte Kassel anerkannt.

Die Fortbildungen finden in Kooperation mit der Weiterbildungseinrichtung der Evangelischen Frauenhilfe im Rheinland e.V. statt, die über ein zertifiziertes Qualitätsmanagement verfügt.

Die Fortbildungen sind zur Beantragung von Bildungsurlaub und von Bildungsprämien anerkannt. Bitte wenden Sie sich dazu an Frau U. Brzóska, Evangelische Frauenhilfe im Rheinland e.V., Tel.: +49 (0) 228 - 95 41 126, E-Mail: ulrike.brzoska(at)frauenhilfe-rheinland.de.

Kostenbeitrag je Fortbildung

260 Euro bei Erstattung durch ArbeitgeberIn, 190 Euro für Einzelpersonen, 95 Euro ermäßigt für Studierende, Auszubildende, BezieherInnen von ALG II bzw. Sozialgeld, Ehrenamtliche von medica mondiale.