Eine Selbsthilfegruppe namens „Trost“
„Faraja“ unterstützt Überlebende in der Demokratischen Republik Kongo

Frauen der Selbsthilfegruppe „Faraja“ © Foto: PAIF
Trotz des Friedensabkommens von 2002 und der Einsetzung einer Übergangssregierung 2003 sind Vergewaltigungen im Ostkongo nach wie vor eine
allgegenwärtige Bedrohung. Sowohl Kriegsparteien als auch Zivilisten sind daran beteiligt. Die Organisation PAIF (Promotion et appui aux initiatives feminines) hilft mit medica mondiales finanzieller Unterstützung den überlebenden Frauen.
Aufgrund der brutalen Übergriffe leiden die Frauen an Inkontinenz, inneren Verletzungen, Infektionen der Harn- und Geschlechtsorgane, Gebärmuttervorfällen und Beckenbrüchen, die dringend medizinisch behandelt werden müssen. Die traumatischen Erfahrungen führen zu permanenten Angstzuständen, Schlaflosigkeit, Schamgefühlen und Selbstverachtung. Zudem greifen Geschlechtskrankheiten um sich. Schätzungen ergeben, dass rund 60 Prozent der am Krieg Beteiligten HIV-positiv sind. Aufgrund der schweren Verletzungen, die den Frauen zugefügt werden, ist das Übertragungsrisiko extrem hoch. Darüber hinaus werden die Frauen für die Verbrechen, die an ihnen begangen wurden, verantwortlich gemacht. Sie werden stigmatisiert und aus ihren Dorfgemeinschaften ausgeschlossen.
In Kalehe, einer weitab von den Zentren gelegenen Stadt der Krisenprovinz Südkivu, setzt sich die Frauenorganisation PAIF , mit der medica mondiale seit 2004 zusammen arbeitet, für die physisch und in ihrer Würde verletzten Frauen ein. 87 Frauen, die seit dem Jahr 2000 mehrfach vergewaltigt worden sind, wurden in Kalehe medizinisch, psychosozial und sozioökonomisch unterstützt. Das Projekt führte zur Gründung der Selbsthilfegruppe „Faraja“. Faraja heißt Trost.
Die Maßnahmen, die PAIF mit Unterstützung von medica mondiale ergreift, um weiteren betroffenen Frauen zu helfen, setzen auf vier verschiedenen Ebenen an:
Medizinische Versorgung
Die Verletzungen, Infektionen und Geschlechtskrankheiten werden von einer Krankenschwester direkt in Kalehe behandelt. Frauen, die infolge der an ihnen verübten sexualisierten Gewalttaten operiert werden müssen, werden in das Regionalkrankenhaus von Katana gebracht. So soll sich der Gesundheitszustand der Überlebenden verbessern; gleichzeitig ist das Ziel, der Ausgrenzung der betroffenen Frauen entgegen zu wirken.
Psychosoziale Betreuung
Die Isolation der Frauen wird durch die Begleitung, Betreuung und Beratung von PAIF durchbrochen. Faraja stellt auch einen Treffpunkt dar, wo die Frauen Kontakte knüpfen und sich gegenseitig unterstützen können. In regelmäßigen Gruppen- und Einzelgesprächen werden die psychologischen Folgen von Gewalt und Traumatisierung thematisiert.
Sozioökonomische Unterstützung
Durch ein Kleinkreditprogramm sollen die Frauen finanziell selbstständig werden. Faraja verwaltet den Gesamtkredit kollektiv. Mit aktiver Unterstützung von PAIF sollen die Frauen konkrete Geschäftsvorhaben entwickeln, zum Beispiel durch den Handel mit Kleintieren, dem Verkauf von Nahrungsmitteln, Seife und Second-Hand-Kleidung. Damit wird gesichert, dass die Frauen ein regelmäßiges Einkommen erzielen und wieder aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Bislang haben 47 Frauen Kredite zwischen 70 und 100 Dollar erhalten.
Förderung der schulischen und beruflichen Ausbildung
Die erste Hürde beim Schulbesuch ist die Bewältigung der Einschreibeformalitäten. Faraja hat bislang über hundert Mädchen und Frauen geholfen, diese und weitere Hürden bei ihrer schulischen und beruflichen Ausbildung zu überwinden. 65 Mädchen konnten in die Grundschule, 28 in die Oberschule eingeschrieben und 14 in eine Berufsausbildung vermittelt werden. Die meisten von ihnen wurden vergewaltigt; viele sind ledige Mütter. Den Mädchen wurden außerdem Schulkits zur Verfügung gestellt: Hefte und Stifte, die sich die Eltern der Mädchen kaum leisten könnten. Genauso wenig wie die Schulgebühren, die Faraja ebenfalls für einen Großteil der Mädchen und jungen Frauen übernommen hat.
Dieses Projekt wird zum Teil aus Mitteln des Weltgebetstag der Frauen finanziert.
Weitere Informationen zur Demokratischen Repulik Kongo
Bericht von PAIF „Sexualisierte Gewalt oder das Komplott gegen die Frauen in der Republik Kongo
2002- 2004“
Länderinformation Demokratische Repulik Kongo
medica mondiale unterstützt in der DR Kongo über den Projektefonds
weitere Projekte.
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© medica mondiale e.V. · 17.10.2006

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