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Press releases

Presseinformation

Dr. Monika Hauser/medica mondiale zum Spielfilm „Die Flucht“:

„Chance zur späten Aufarbeitung - Zeit zu sprechen“

Köln, 6. März 2007. Zum zweiteiligen Spielfilm "Die Flucht", den die ARD jetzt ausstrahlte, verweist die Gründerin und Geschäftsführerin von medica mondiale e.V. Dr. Monika Hauser, auf das noch heute vorhandene Tabu bezüglich Kriegsvergewaltigungen und fordert im Sinne der Betroffenen und ihrer Nachfahren eine breit angelegte gesellschaftliche Anstrengung, dem Verschweigen entgegenzuwirken:

„Die massenhaften Kriegsvergewaltigungen von deutschen Frauen und Mädchen durch alliierte Soldaten 1945, die wir im Film realistisch dargestellt sahen, waren für die Betroffenen extrem traumatisierend. Sie ereigneten sie sich zudem im Rahmen von allgemeiner Unsicherheit auf der Flucht, dramatischen Lebensbedingungen, Demütigung, Einschüchterung und Zerstörung. Alleine die tägliche Angst davor, Opfer von Vergewaltigung zu werden, verursachte bei vielen lebenslange Folgen. Nach diesem eigentlichen Trauma folgte jenes des Verschweigen-Müssens. Dieses hatte vielfältige Ursachen, die sich auch für Frauen in Ostdeutschland von denen im Westen unterschieden. Fakt ist, dass es ein gesamt-deutsches Schweigegebot und aktive Verdrängung gab, das Stigmatisierung und Ausgrenzung bewirkte und somit die fatalen gesundheitlichen und sozialen Folgen für die Überlebenden noch potenzierte. Viele Frauen sagen, dass gerade das jahrzehntelange Schweigen für sie erneut extrem demütigend und zerstörerisch war.

Im Gegensatz dazu stellen wir aber anhand der Briefe und Aussagen von Überlebenden immer wieder fest, dass die Frauen sehr wohl über das Erlebte sprechen wollen. Und auch, dass durch die völlig fehlende Thematisierung oder gar Bearbeitung die schmerzhaften Folgen dieses Traumas in unserer Gesellschaft nachwirken: Hass, neue Gewalt und auch psychosomatische Folgen (chronische Krankheiten, Alkohol-, Medikamenten- und Drogenmissbrauch, hohe Selbsttötungsrate, und so weiter) resultierten daraus. Gerade auch für die zweite Generation ist die Nicht-Bearbeitung bis heute mit unendlichen Leiden, sozialen und gesundheitlichen Folgen verbunden. Leider haben für diese Zusammenhänge weder politische Verantwortliche, noch die medizinisch-psychologische Fachwelt noch die historische Erinnerungskultur eine Antwort. Selbst die Wanderausstellung des Hauses der Geschichte "Flucht,Vertreibung, Integration" ignorierte die Massivität und Wichtigkeit des Themas.

Das Thema lässt sich aber nicht wegdrücken. Es bleibt und muss besprochen werden. Als eine längst fällige und späte Anerkennung für die Überlebenden, zur endlosen Vermeidung der teufelskreishaften Weitergabe an nächste Generationen, zur Erarbeitung fachlicher Standards in der professionellen Begleitung, zur Beendigung der patriarchalen Schweige-Dynamik, die immer nur die Täter schützt und die Frauen ausgegrenzt. Von der deutschen Nachkriegs-Gesellschaft könnte die Botschaft als Mahnung in die Welt und der Ächtung dieser extremen Gewalt gegen Frauen und Mädchen in heutige Kriegsgebiete gehen.“

 

 

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Advanced inquiries and arrangement of interviews:
medica mondiale e.V.
E-mail Stephani Streloke
(Press and Public Relations)
Hülchrather Straße 4
50670 Köln/Cologne (Germany)
Tel.: +49/221-93 18 98-0/-25
Fax: +49/221-93 18 98-1

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© medica mondiale e.V. ·  06.03.2007