Presseinformation
Termin - ACHTUNG, Afghanistan-Korrespondenten!
Konferenz in Kabul diese Woche:
medica mondiale stellt Studie über Selbstverbrennungen in Afghanistan vor
„Wir werden mit aller Kraft gefährdete Frauen unterstützen“
Köln/Kabul, 10. November 2006. Mehrere hundert Frauen töten sich in Afghanistan jedes Jahr selbst. Genauere Zahlen gibt es nicht, denn die Hintergründe werden meist verschleiert. Erstmalig gibt es jetzt Erkenntnisse über die Ursachen dieser Verzweiflungstaten. Basis der Ergebnisse ist eine Studie, die medica mondiale am Dienstag in Kabul präsentieren wird. Die Ergebnisse sowie konkrete Schritte, welche die Frauenrechtsorganisation gegen die Selbstverbrennungen unternehmen wird, sind die Themen einer dreitägigen internationalen Tagung in dieser Woche in Kabul.
Zarmina war 14, als ihr Vater sie mit einem alten Mann verheiratete, dem er Geld schuldete. Täglich wurde sie vergewaltigt, gedemütigt und geschlagen. Nach einem Jahr brachte sie ein Kind zur Welt, ein Mädchen, behindert. Danach wurde das Leben für Zarmina vollends unerträglich. Sie übergoss sich mit Kerosin und zündete sich an. Drei Tage später starb sie im Krankenhaus in Herat. Zarmina ist kein Einzelfall.
Selbstverbrennungen kommen in Afghanistan täglich vor, besonders hoch ist deren Anzahl in der Provinz Herat. 300 Selbstverbrennungen verzeichnete die Afghanische Menschenrechtskommissionallein im Jahr 2003, Tendenz steigend. Diese grausamste aller Selbsttötungsarten scheint jungen Frauen und Mädchen oft als einziger Ausweg aus der Gewalt in ihren Familien. Nur etwa jede zwölfte Frau überlebt (falls sie rechtzeitig medizinische Hilfe erhält) den Suizidversuch – und trägt ein Leben lang an den schmerzhaften und entstellenden Folgen.
Vom 14. bis 16. November treffen sich nun erstmalig ExpertInnen aus der Region zu einem Erfahrungsaustausch in Kabul. Unter anderem wird Dr. Sima Samar erwartet, die Leiterin der unabhängigen afghanischen Menschenrechtskommission. Ziel ist die Verabschiedung eines gemeinsamen Aktionsplanes. In Tadschikistan, Indien und dem Iran haben ähnliche Pläne bereits Erfolg gezeigt. medica mondiale wird die Umsetzung des Aktionsplans in Afghanistan vorantreiben. Eine Sprecherin dazu: „Wir werden in unseren Projekten die Bekämpfung dieser schrecklichen Selbsttötungsart und damit die spezifische Unterstützung der gefährdeten Frauen weit nach vorne stellen.“
Näheres zu den Ergebnissen der Konferenz erfahren Sie –
* in Deutschland: Ab Mittwoch morgen (15.11.2006) bei medica mondiale in Köln, Kontakt:
Selmin Çalışkan (Referentin Menschenrechte/Lobby), Tel. 0221-931898-29
* in Kabul: Kontakt:
Ancil Adrian-Paul (Leiterin des Menschenrechts-Programmes von medica mondiale in Afghanistan), Tel. 0044 - 0181 5401704 (mobil)
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© medica mondiale e.V. · 14.11.2006

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