PRESSEINFORMATION
Zur Afghanistan-Entscheidung im Bundestag:
medica mondiale fordert Personenschutz für afghanische Frauen in öffentlichen Positionen
Monika Hauser: „Frauen in Afghanistan sind Zielscheibe der Extremisten“
Köln, 28. September 2006. Im Zusammenhang mit der ISAF-Entscheidung des Bundestages und der Ermordung einer Vertreterin des afghanischen Frauenministeriums in Kandahar klagt die Frauenhilfs- und -rechtsorganisation medica mondiale den radikalen Schutz von Afghaninnen in ihrem Land durch die internationale Gemeinschaft ein:
„Frauen sind die Ersten, wenn es um gezielte Gewalt bis hin zum Mord geht. Ob in der Öffentlichkeit, oder Zuhause – offene Gewalt ist zunehmend an der Tagesordnung und die Täter gehen straffrei aus.“ Mit diesen Worten kommentiert die medica mondiale-Geschäftsführerin Monika Hauser die Sicherheitssituation von Frauen in Afghanistan. Wie äußerst gefährlich die Frauen dort lebten, habe sich schon tausendfach gezeigt – ein prominentes Beispiel sei der Mord an der Dichterin Nadja Anjuman durch ihren Ehemann. Jetzt füge der feige Mord an Safiya Omar, einer hochrangigen Funktionärin des Frauenministeriums in Kandahar, dieser düsteren Bilanz einen weiteren Fall hinzu. Der Mord kam nicht von ungefähr: Seit ein paar Monaten, so Hauser, beobachte medica mondiale vor Ort, „dass die Extremisten nicht nur militärisch, sondern auch ideologisch auf dem Vormarsch sind.“ Angst und Schrecken würden in der Bevölkerung geschürt und verbreitet. „Frauen, die sich laut und öffentlich für die Interessen von Frauen einsetzen, werden terrorisiert oder exemplarisch exekutiert“, so Hauser.
Dennoch, kritisiert sie, stehe die Sicherheit von Frauen immer noch nicht auf der Tagesordnung des neuen Afghanistan-Konzeptes der Bundesregierung: „Weder ist der Schutz von Frauen in öffentlichen Positionen noch der vor häuslicher Gewalt in Sicherheitskonzepten verankert. Dabei ist die Sicherheit von Frauen und Mädchen ein Gradmesser für die generelle Sicherheitslage im Lande und somit unverzichtbar für den friedlichen Neuaufbau der afghanischen Gesellschaft“, so Hauser weiter.
„Fünf Jahre nach dem Fall des Talibanregimes müssen wir erleben, dass in Herat Flugblätter mit dem Aufruf verteilt werden können, gezielt Frauenaktivistinnen anzugreifen“, so Hauser. „Wenn solche Akte und die Täter nicht öffentlich verurteilt werden, werden Frauen noch verstärkter Freiwild und auch eine sinnvolle Arbeit vor Ort wird auf Dauer für uns unmöglich. Unsere Mitarbeiterinnen gehen nicht nur täglich die Gefahr ein, einem Anschlag oder Selbstmord-Attentat zu erliegen, wenn sie auf dem Weg zu Klientinnen ins Gefängnis oder Krankenhaus sind. Weit mehr – neben der allgemeinen gefährlichen Sicherheitslage sind sie doppelt in ihrer Funktion als Kämpferinnen für Frauenrechte extremst gefährdet“, so Hauser weiter. Jeder ungesühnte Mord an einer öffentlich bekannten Frau aber auch an einer ganz normalen Frau, fördere ein frauenfeindliches Klima und lade geradezu dazu ein, Frauen als Zielscheibe zu benutzen und somit fortschrittliche afghanische Menschen einzuschüchtern. Hauser: „Wenn die Internationale Gemeinschaft nun nicht endlich radikal für Frauen handelt, gelten alle politischen Bemühungen nichts.“
Die internationale Gemeinschaft müsse nun endlich ihre Versprechen, Frauen zu schützen und zu fördern mit einem entsprechendem Maßnahmenkatalog und Geldervergaben einlösen, so Hauser weiter. Damit sei man schließlich 2001 angetreten. Die Abstimmung heute im Bundestag sei ein wichtiger Anlass, erneut zu analysieren, was eigentlich damals versprochen und was letztlich dann für die weibliche Bevölkerung erreicht wurde: „Hier werden die Weichen für die nächsten Jahrzehnte gestellt. Wir fordern von der deutschen Regierung ihr klares Bekenntnis, sich mit konkreten Maßnahmen wie beispielsweise Personenschutz für Frauen in öffentlichen Ämtern, die gezielte Ausbildung von Polizistinnen, Anwältinnen und Ärztinnen und eine vermehrte Förderung von psycho-sozialen Projekten einzusetzen und somit die fortschrittlichen Kräfte im Land zu stärken und nicht den Taliban in die Hände zu spielen!“, so Hauser abschließend.
Rückfragen und weitere Informationen:
Selmin Çalışkan
Tel. 0221-931898-29
Fax 0221-931898-1
Printout without charge – specimen copy requested. We would be pleased with your coverage.
Advanced inquiries and arrangement of interviews:
medica mondiale e.V.
Stephani Streloke
(Press and Public Relations)
Hülchrather Straße 4
50670 Köln/Cologne (Germany)
Tel.: +49/221-93 18 98-0/-25
Fax: +49/221-93 18 98-1
Donation account: Sparkasse KölnBonn · Konto/Account number 45 000 163 · BLZ/Bank code 370 501 98
IBAN / BIC: DE92 3705 0198 0045 0001 63 / COLSDE33
Help us to support women in war and crisis zones all over the world by
making a donation!
© medica mondiale e.V. · 14.11.2006

Projects
Press/
Press releases