PRESSEINFORMATION
medica mondiale stoppt vorläufig Arbeit in Kabul
Köln/Kabul, 31. Mai 2006. „Nach vier Jahren müssen nun auch wir zum ersten Mal die Arbeit aufgrund der Sicherheitslage einstellen. Die Situation ist zu gefährlich für unsere Mitarbeiterinnen.“ Mit dieser Nachricht traten die Leiterin der Afghanistan-Projekte von medica mondiale in Kabul, Angeles Martínez und ihre Kölner Kollegin Bele Grau (verantwortlich für die Projektsteuerung) heute in Köln vor die Presse.
Martínez sagte, die Nachricht von den Unruhen in der afghanischen Hauptstadt habe sie unerwartet während eines Projektplanungsbesuches in Köln getroffen. Zwar sei die Sicherheitssituation in Afghanistan immer wieder in den letzten Monaten angespannt gewesen, doch habe sie keine Anzeichen für eine derartige Eskalation im Vorfeld beobachten können.
Vorgestern am frühen Nachmittag (29. Mai) hatten die Unruhen im Kabuler Stadtzentrum begonnen. Bis zum frühen Abend hatte sich die Situation dann so verschlimmert, dass das Sicherheitsbüro der Hilfsorganisationen in Afghanistan (ANSO) allen Mitarbeiterinnen von Hilfsorganisationen dringend empfahl, nicht den Standort zu verlassen, an dem sie sich aktuell befanden. 20 Mitarbeiterinnen von medica mondiale waren zu diesem Zeitpunkt im Büro von medica mondiale in Kabuler Stadtzentrum versammelt – im Bezirk Shar-i-Naw, einer vergleichsweise sicheren Gegend im Zentrum von Kabul, in der auch viele Hilfsorganisationen ihre Büros haben. Die Frauen blieben dort bis in den frühen Abend, bis die Situation sich soweit beruhigt hatte, dass die afghanischen Mitarbeiterinnen nach Hause gehen konnten. Zwei internationale Mitarbeiterinnen blieben aufgrund der besonderen Gefährdung für ausländisches Personal über Nacht in dem Büro.
Zu den Gefahren für die Mitarbeiterinnen befragt, sagte Angeles Martinez: „Man kann schwer einschätzen, was passieren könnte. Die Gefahr, dass unsere Mitarbeiterinnen getötet werden könnten, wenn wir jetzt nicht die Arbeit aussetzten, ist jedoch durchaus realistisch.“
Sie sagte, dass die massivste Bedrohung von den politischen Radikalen ausgehe – jedoch auch von denjenigen Männern in der Bevölkerung, die von radikalen Kräften manipuliert und für ihre Zwecke missbraucht würden. „Der Hass richtet sich jedoch nicht allgemein gegen die Hilfsorganisationen im Land, sondern in erster Linie gegen das Militär.“ Dennoch sei die Präsenz der internationalen Truppen für Organisationen wie medica mondiale wichtig: „Das Militär hat die Aufgabe, für friedliche Verhältnisse vor Ort zu sorgen und als wirkliche Friedenstruppe aufzutreten. Nur unter diesen Bedingungen können wir unsere schwierige Arbeit vor Ort leisten.“
Martínez und Grau konnten beide noch nicht sagen, wann die Arbeit wieder aufgenommen werde. Grau: „Wir sind in ständigem Kontakt mit den Kolleginnen vor Ort, die am besten die Lage einschätzen können. Auch die Empfehlungen des Auswärtigen Amtes und der ISAF beziehen wir in unsere Entscheidung mit ein. Auf jeden Fall hoffen wir, dass die Lage sich bald auch nachhaltig entspannt – im Sinne unserer Arbeit für die Frauen vor Ort.“
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© medica mondiale e.V. · 14.11.2006

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