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medica mondiale fordert Schutz und Unterstützung für Wahlkandidatinnen in Afghanistan

„Mutiges Auftreten trotz Einschüchterungsmaßnahmen“

Köln/Kabul, 16. September 2005. Anlässlich der Wahlen in Afghanistan am Sonntag fordert medica mondiale von der internationalen Gemeinschaft mehr Schutz und Unterstützung für Wahlkandidatinnen.

Vor allem unabhängige Wahlbeobachterinnen seien notwendig, die gemeinsam mit dem Sicherheitspersonal alle polizeilich gemeldeten Drohungen und Einschüchterungen einer sofortigen Untersuchung unterziehen sollten. Darüber hinaus müssten für Kandidatinnen und Wählerinnen gezielte Transportmöglichkeiten (zum Beispiel Busse) und separate Unterkünfte in allen Provinzen bereitgestellt werden. Auch müssten die Kandidatinnen eigene Räume in der Nähe der Versammlungsorte erhalten, wo sie ungestört und sicher eigene Themen und Strategien diskutieren können.

Hintergrund der Forderung ist, dass Frauen in den letzten Monaten durch Drohungen und zum Teil auch bewaffnete Angriffe daran gehindert wurden, Wahlwerbung für sich machen zu dürfen. Die Kandidatinnen setzen sich mutig über die Einschüchterungsversuche hinweg: Sie sind entschlossen, sich aktiv an den landesweiten Wahlen am Sonntag zu beteiligen. Unter den 6000 Afghanen, die bei den Wahlen zur gesetzgebenden Versammlung und für die Provinzräte antreten, sind 3000 für die Wolesi Jirga – das Unterhaus – registriert. Zehn Prozent – 350 – sind Frauen, die für die 249 Sitze kandidieren. Unter diesen Frauen stehen viele im unmittelbaren Kontakt mit medica mondiale.

Als Kandidatinnen in Mazar-i-Sharif (Provinz Balkh) und Kabul, der Hauptstadt, kämpfen diese berufstätigen Frauen (ausgebildete Ärztinnen und Rechtsanwältinnen) für zahlreiche Kernfragen in Zusammenhang mit der Förderung von Frauen und der Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen. Bessere Gesundheits- und Ausbildungsangebote für Frauen, verbesserter und vereinfachter Zugang zu Rechtssprechungsmechanismen und die Bereitstellung geeigneter, von der Regierung gebilligter Schutzräume für gefährdete Frauen und junge Mädchen sind einige ihrer wichtigsten Anliegen.

„Wir sind stolz auf den Mut dieser Frauen. Für Frauen hat sich bisher in Afghanistan nicht viel zum Guten verändert,“ so die Gründerin und Geschäftsführerin von medica mondiale, Dr. Monika Hauser. „Nach wie vor sind Frauen kaum in der Öffentlichkeit zu sehen und haben keinen adäquaten Zugang zu Gesundheit, Bildung und eigenen Rechten. Wenn politisch aktive Frauen dann noch angegriffen und gar getötet werden und dann die internationale Gemeinschaft die Gewalt gegen Frauen nicht aufs Schärfste verurteilt und die Frauen aktiv schützt – dann ist dies fast so schlimm wie die Gewalt an sich,“ so Hauser weiter. „Es muss nun endlich ein entscheidendes Signal von der internationalen Gemeinschaft an die afghanische Gesellschaft gehen: Dass jegliche Gewalt gegen Frauen nicht geduldet und darüber hinaus streng geahndet wird!“

Hintergrund

Die achtunddreißig Jahre alte Natifa steht vor einer Menge, die sich vorwiegend aus Männern und männlichen Jugendlichen zusammensetzt. Sie kämpft um einen Platz bei den kommenden Provinz- und Parlamentswahlen. Ein bärtiger Mann mit blauem Turban spuckt auf sie und schreit sie in Paschtu an. Sie schaut auf, sieht ihm ins Gesicht und antwortet ihm – bestimmt und direkt.

Die Eskalation der Gewalt und die fortbestehende Unsicherheit seit März dieses Jahres lässt Frauen vorsichtig werden. Vertreter der Vereinten Nationen (UN) sagen, dass trotz der drei installierten Sicherheitsstufen (Polizei, Militär und ISAF) weiterhin große Besorgnis herrscht. Sie weisen darauf hin, dass nicht ausreichend Polizeibeamte ausgebildet wurden, um die Sicherheit der mehr als zwölf Millionen Afghanen, die zur Abstimmung gehen werden, der 200.000 Wahlhelfer sowie der mehr als 190 internationalen Wahlbeobachter und mehrerer Hunderter von nationalen Wahlbeobachtern zu gewährleisten. Vertreter der Unabhängigen Afghanischen Kommission für Menschenrechte weisen darauf hin, dass 4.052 Waffen bei Kandidaten mit Verbindungen zu bewaffneten Gruppen eingesammelt wurden. Diese Kandidaten wurden mittlerweile von der Kandidatur ausgeschlossen. Viele Kandidaten jedoch, Männer wie Frauen, so wird öffentlich spekuliert, sind weiterhin als Kandidaten nominiert, haben aber auch Verbindungen zu bewaffneten Gruppen und Kriegsherren verschiedener Gruppierungen. Ein weiteres Problem ist die Drohung der Taliban, die Wahlen zu sprengen. Viele Menschen, unter ihnen auch einige Frauen, wurden in den vergangenen Monaten ermordet.

 

Informationen und Rückfragen zu diesem Thema
medica mondiale e.V.
E-Mail Selmin Çalışkan
(Referentin für Menschenrechtsfragen)
Tel. 0221-931898-29
Fax 0221-931898-1

 

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Advanced inquiries and arrangement of interviews:
medica mondiale e.V.
E-mail Stephani Streloke
(Press and Public Relations)
Hülchrather Straße 4
50670 Köln/Cologne (Germany)
Tel.: +49/221-93 18 98-0/-25
Fax: +49/221-93 18 98-1

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© medica mondiale e.V. ·  14.11.2006