„Aktion Kriegsbeute“ – medica mondiale startet Aktionsmonat gegen Kriegsvergewaltigungen
Köln, 30. August 2005. Im Rahmen der Kampagne „Zeit zu sprechen“ ruft die Frauenrechtsorganisation medica mondiale zum Mitmachen auf: 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs soll die „Aktion Kriegsbeute“ auf Kriegsvergewaltigungen und die Folgen für Frauen aufmerksam machen. Der Aktionsmonat zur Kampagne startet am ersten September in Marburg und endet am 30. September in Köln.
„Wir wollen mit der Kampagne und besonders auch mit der „Aktion Kriegsbeute“ eine Brücke schlagen: Von der Situation der Frauen und Mädchen im Zweiten Weltkrieg zur Situation von Frauen und Mädchen in heutigen Kriegen“, erläuterte Monika Hauser, Gründerin von medica mondiale. 60 Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges erhalte medica mondiale vermehrt Zuschriften von Frauen, die sexualisierte Kriegsgewalt in dieser Zeit überlebt haben. „Offenbar brechen die Erinnerungen nun erneut auf – wie dies häufig bei traumatisierten Menschen im Alter der Fall ist, Jahrzehnte nach der Tat“, so Hauser.
Immer noch sei das Tabu, über die Menschenrechtsverbrechen von Soldaten und Milizen an Frauen und Mädchen im Krieg zu sprechen, gesellschaftlich sehr hoch. Dieses Schweigen mache jedoch eine Aufarbeitung des daraus resultierenden Traumas für die betroffenen Frauen oft unmöglich. Auch fehle es weltweit immer noch flächendeckend an adäquater Unterstützung für Frauen nach einer Kriegsvergewaltigung: „Ob konkrete psychosoziale Unterstützung, medizinische Hilfe oder juristische Ächtung – die Überlebenden einer Vergewaltigung im Krieg erhalten selten die Unterstützung und Wahrnehmung, um mit Würde in ein möglichst selbstbestimmtes Leben zurückkehren zu können“, erläuterte Hauser.
medica mondiale ist eine der wenigen Organisationen weltweit, die sich langfristig der Überlebenden annehmen. Hauser: „Ein öffentliches Aufmerksam-Machen auf ihre Situation gehört untrennbar zur Unterstützung der Frauen dazu. Unser Ziel ist es deshalb, viele Menschen zu informieren und ebenfalls zur Unterstützung von Frauen und Mädchen im Krieg aufzufordern.“
Die „Aktion Kriegsbeute“ ist bewusst provokant gestaltet: Die ehrenamtlich Aktiven und Mitarbeiterinnen von medica mondiale tragen bei den Aktionen in Fußgängerzonen, auf Marktplätzen etc. T-Shirts mit der Aufschrift „Kriegsbeute“, um damit den Blick des Täters auf das Opfer deutlich zu machen: Frauen gelten nicht als eigenständige Individuen, sie sind Kriegsbeute.
Im Rahmen eines Aktionsmonats startet die „Aktion Kriegsbeute“ am Donnerstag, den 1. September in Marburg und geht dann durch verschiedene deutsche Städte. Den Abschluss bildet ein Aktionstag in Köln am 30. September: medica mondiale ist an diesem Tag in Köln tagsüber in der Innenstadt mit einem Infostand in Form eines Tatortes präsent und sucht dafür auch noch Mitstreiterinnen. Abends gibt es in der Musikhochschule Köln eine Lesung mit der bekannten Schauspielerin Katrin Saß („Good bye, Lenin“) sowie eine anschließende Diskussion mit Monika Hauser und einer afghanischen Mitarbeiterin von medica mondiale. Moderiert wird der Abend von der Journalistin und TV-Moderatorin Bettina Böttinger.
Wer mehr wissen will, an der Aktion am 30.9. in Köln (oder in anderen deutschen Städten) teilnehmen will, sich als Helferin anbieten möchte oder sich anderweitig ebenfalls für Frauen in Kriegs- und Krisengebieten engagieren möchte, wendet sich an:
medica mondiale e.V.
„Aktion Kriegsbeute“
Mandy Bauer
Hülchrather Str. 4
50670 Köln/Cologne (Germany)
Tel: +49-221-931898-32
mehr Informationen zur Kampagne „Zeit zu sprechen“
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© medica mondiale e.V. · 17.10.2007

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