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m-journal 2-2006

Porträt einer afghanischen FrauPorträt einer afghanischen FrauPorträt einer afghanischen FrauPorträt einer afghanischen FrauPorträt einer afghanischen Frau

Damit Selbstverbrennung nicht der letzte Ausweg bleibt

In Brunnenschächte oder von Dächern in den Tod springen, Tabletten, Pestizide oder Rattengift nehmen – fünf Jahre nach dem Sturz der Taliban ist das Leben vieler afghanischer Frauen noch immer so von Unsicherheit und Gewalt geprägt, dass sie erschreckend häufig keinen anderen Ausweg sehen, als sich selbst zu töten. Freiheitsentzug, Zwangsverheiratung, häusliche Gewalt sowie weitgehende Recht- und Schutzlosigkeit zählen zu ihrer Lebensrealität. Eine der häufigsten Selbsttötungs-Methoden ist die Selbstverbrennung. medica mondiale hat jetzt eine Kampagne zur Unterstützung selbstmordgefährdeter Frauen auf den Weg gebracht.

Bisher lagen kaum zuverlässige Analysen und Statistiken zu diesem traurigen Phänomen vor, um wirkungsvoll dagegen angehen zu können. Deshalb begannen medica mondiale-Mitarbeiterinnen im Juni 2006 eine dreimonatige Untersuchung über Ausmaß und Ursachen der Selbstverbrennungen. Erste Ergebnisse aus den Provinzen Kabul, Wardak und Herat belegen unsere Vermutung, dass die hauptsächlichen Ursachen für Selbstverbrennung tatsächlich in der Rechtlosigkeit liegen, der speziell junge Frauen und Mädchen ausgesetzt sind. Vor allem Kinder- und Zwangsheirat, erzwungene Verlobung und der Austausch von Mädchen zwischen Familien, um Konflikte „beizulegen“, führen dazu, dass sich insbesondere junge Frauen mit Kerosin übergießen und anzünden.

Im November starten wir nun auf Basis der Untersuchungsergebnisse eine Kampagne, um die afghanische Bevölkerung sowie EntscheiderInnen und MultiplikatorInnen in Behörden und Institutionen über die Hintergründe von Selbstverbrennungen zu informieren und gemeinsam Gegenmaßnahmen zum Schutz von Frauen und Mädchen einzuleiten.

Beispiel Zarmina

Ein Bauer in der Provinz Herat verheiratete seine 14-jährige Tochter Zarmina mit einem 41-jährigen Mann, dem er Geld schuldete. Zarmina wurde in ihrer neuen Familie von ihrem Mann und ihrer Schwiegermutter täglich geschlagen und gedemütigt. Als sie nach einem Jahr ein Mädchen mit einer Hasenscharte gebar, wurden die Misshandlungen noch schlimmer. Eines Tages ging sie in den Garten, begoss sich mit Kerosin und zündete sich an. Sie starb drei Tage später im Krankenhaus.

 

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© medica mondiale e.V. ·  14.02.2007